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Trend im Netz : Nervige Eltern-Sprüche auf Twitter

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

„Früher war alles besser“ – Nutzer des Kurznachrichtendienstes sammeln die besten Sätze aus der Kindheit.

„Du weißt gar nicht, wie gut du es hast.“ „Wir sind nicht ,die anderen’“. „Wenn du den Teller leer isst, scheint morgen die Sonne!“ Manchmal kommen Eltern Sätze über die Lippen, über die sie sich als Kind noch aufgeregt haben. Doch geteiltes Leid ist halbes Leid: Zumindest dieser Satz bewahrheitet sich beim Kurznachrichtendienst Twitter in diesen Tagen.

Über 13000 Nutzer sind gemeinsam der Nostalgie verfallen und erinnern unter dem Stichwort #spruchausderkindheit an Worte, die ihre Kindheit so geprägt haben, dass sie sich noch heute problemlos daran erinnern oder sie gar selbst nutzen. Es sind Klassiker dabei wie „Du bist zu Hause, wenn es dunkel wird“ und „Solange du die Füße unter meinen Tisch stellst...“, aber auch Erinnerungen an eine wohl relativ sorgenfreie Zeit: „Schnell nach Hause: Takeshi'’s Castle kommt gleich auf DSF!“ Selbst die kurioseren Tweets stoßen bei irgendeinem Nutzer auf positive Resonanz, nach dem Motto: Genau so war das bei mir auch.

Bei anderen mag das Erfolgsgeheimnis darin liegen, dass übertrieben oder provoziert wird – und das mit wenigen Worten und Jahre bevor Twitter überhaupt erfunden wurde. „War dein  Vater Glaser?“, fragten offenbar viele Eltern scherzhaft mahnend ihre Kinder, wenn sie beim Fernsehen im Bild standen.

Eine Sprache, die bildhaft ist und zu Überspitzungen neigt, zeichne viele der typischen Elternsätze aus, beobachtet der Berliner  Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch, der auch selbst schon zu dem Thema getwittert hat. „Viereckige Augen“ zum Beispiel oder „Augen größer als der Mund“: Wer könnte solche Sätze schon vergessen? Wie eine Formel prägen sie sich ins Gedächtnis ein und sind damit auch leicht wieder abrufbar, sagt Stefanowitsch. „Im Prinzip teilen diese Sprüche alle typischen Eigenschaften von Sprichwörtern, und können diesen zugerechnet werden.“

Im Netz tauschen sich die Menschen nicht nur aktuell via Twitter über ihre Kindheit aus. Auf Facebook gibt es gleich mehrere Seiten zum Thema Kindheitserinnerungen. Ein persönlicher Blog zieht dabei mit mehr als 230  000 Likes die meisten Nutzer und Gleichgesinnten an. Hier wird zum Beispiel über den Geruch von Spielzeugpistolenmunition gefachsimpelt oder über Kinderserien aus den 1980er-Jahren. Der Tenor in den Kommentaren ist dabei oft ähnlich:  „Ach, das waren noch Zeiten“. „Weißt du noch?“, fragen die Nutzer ihre Freunde.

Für #spruchausderkindheit ist noch ein anderer Aspekt typisch: Die knappen Sätze halten echte oder vermeintliche Alltagsweisheiten fest. „Und wie Sprichwörter halten diese Sprüchlein einer logischen Überprüfung ihrer Aussagen oft nicht stand“, sagte Sprachwissenschaftler Stefanowitsch. Dass die Aussagen nicht wahr sind, hindert aber offenbar nur die wenigsten daran, sie weiterzugeben.

Wer das nächste Mal wegen eines Spruchs der Eltern mit den Augen rollt, kann zumindest sicher sein: Dass diese in schiefer Position stehenbleiben, ist eher unwahrscheinlich.

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