Alte Tonträger digtalisiert : Musik von der Wachsrolle

Digitalisierung der alten Wachswalzen
Digitalisierung der alten Wachswalzen

Auf Rohlingen aus Wachs konnte man bereits lange vor CD und MP3 Musik speichern. In Berlin werden die alten Tonträger digitalisiert.

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18. August 2015, 21:00 Uhr

Ein wenig erinnert die handgroße Walze an das innere Stück Pappe einer Klopapierrolle. Albrecht Wiedmann spannt sie in einen Apparat mit einer Plattenspielernadel. In die Walze aus Wachs sind feine Rillen geritzt. Über die Lautsprecherboxen ist hinter kratzigem Rauschen leiernder Gesang zu hören. Die Aufnahme ist von 1907.

Ja, auf Wachswalzen kann man Musik aufzeichnen - und im Berliner Phonogramm-Archiv lagern noch heute 16 000 solcher Tondokumente. Mit dem 1877 erfundenen Phonographen - der mit seinem Trichter an ein Grammophon erinnert - war es möglich, Sprache und Musik aufzunehmen und zu speichern.

„Diese Apparate stehen vollkommen auf der Höhe unserer Zeit, und ich möchte sie (...) jedem Reisenden empfehlen“, schrieb Felix von Luschan vor mehr als hundert Jahren über den Phonographen. Der Arzt und Anthropologe nahm 1902 das Aufnahmegerät mit auf eine Forschungsreise in die Türkei - und nach ihm immer mehr auf Expeditionen nach Afrika oder Asien. Die Wachswalzen stellten sich die Musiksammler aber nicht ins Regal oder hörten die Aufnahmen privat.  Sie verfolgten ein analytisches Interesse hinter dem Sammeln dieser aus damaliger Sicht „exotischen“ Musik, erklärt Tontechniker und Musikethnologe Wiedmann. Die Musik wurde erst mit dem Phonographen aufgezeichnet, dann notiert - und anschließend leiteten die Wissenschaftler aus den Melodien Tonsysteme ab. Das Ziel: den Ursprung der Musik aufdecken.

Die alten Aufnahmen sind heutzutage gleichzeitig Forschungsgegenstand von Musikethnologen und Zeugnisse einer vergangenen Zeit. Deshalb machen Wissenschaftler wie Wiedmann sie fit für die Zukunft: Sie fertigen digitale Kopien an. Die Apparatur, mit der Wiedmann die Walze abspielt, ist ein moderner Phonograph verbunden mit einem Computer, auf dem die Musik als Datei gesichert wird.

Schon damals hatten sich die Forscher um die Konservierung von Walzen gekümmert und die Originale aus Wachs galvanisiert. „Am Ende dieses Prozesses sind Kupferhülsen übrig geblieben“, sagt Wiedmann. Mit den Hülsen konnten Wachskopien angefertigt werden. Das hilft den Wissenschaftlern noch heute beim Herstellen von frischen Kopien aus Kunstwachs.

Im Phonogramm-Archiv lagern auch etliche alte Schallplatten, Tonbänder und Kassetten. Gemeinsam haben die Tonträger alle, dass sie mit Aufkommen neuer technischer Möglichkeiten Konkurrenz bekamen und sogar verdrängt wurden.

Die historischen Stücke haben aber bereits den Sprung ins Digitale geschafft: Auf YouTube bekommt man auch ohne Phonographen eine Vorstellung davon, was 130 Jahre in der Musikgeschichte ausmachen.

Wiedmann träumt indes davon, eine 120 Aufnahmen umfassende, historische Auswahl an Wachswalzen neu aufzulegen und zu verkaufen - natürlich analog aus Wachs, nicht digital.

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