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Verbraucherschutz : Mobiles Bezahlen – Eine Frage des Vertrauens

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Zum Bezahlen oder überweisen nur schnell das Smartphone zücken? Vielen Deutschen ist das zu unsicher.

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erstellt am 15.Mär.2017 | 19:54 Uhr

Kiel | Eine Wette verloren? Essensgeld geliehen? Oder auf dem Flohmarkt in eine alte Lampe verliebt? Während man hierzulande kleinere Schulden oder Käufe oft noch bar begleicht, wird anderswo dafür das Smartphone gezückt und das Geld ganz schnell an einen Kontakt aus dem Telefon-Adressbuch überwiesen. In Dänemark zum Beispiel. Die Zahlungsmethode habe derzeit 3,4 Millionen Nutzer, meldet der Anbieter MobilePay. Sie liegt somit auf dem dritten Platz der meistgenutzten Apps in Dänemark mit einem Transaktionswert von 99.961 Kronen pro Minute, berichtet „Der Nordschleswiger“.

Deutsche Nutzer stehen dem Bezahlen via App, SMS oder E-Mail an einen Kontakt aus dem Adressbuch ebenso wie dem kontaktlosen Bezahlen an der Supermarktkasse via NFC-Funk (Near Field Communication) hingegen noch immer eher skeptisch gegenüber. Generell sehen fast neun von zehn Deutschen (85 Prozent) die Gefahr, dass bei mobilen Bezahlverfahren Daten gehackt und missbraucht werden könnten, so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC aus dem Jahr 2016. In einer neuen, vom Verbraucherzentrale Bundesverband in Auftrag gegebenen Studie haben 68 Prozent der in sechs G20-Ländern Befragten Sorge, dass ihre Online-Zahlungen nicht sicher sind.

Doch mit Apps von immer mehr Banken und anderen Anbietern können Verbraucher auch hierzulande mobil Geldbeträge überweisen – schnell und unkompliziert. Jedoch tatsächlich nicht immer sonderlich sicher, warnt die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein (VZSH). Zum Beispiel, wenn auf die Eingabe einer Tan-Nummer, eines zusätzlichen Kennwortes oder von Kontonummern verzichtet wird. Stattdessen genügt oft der Zugriff auf die App und die Mobilfunknummer des Empfängers im Adressbuch.

Einen Zugriff auf die Daten in der Kontaktliste des Smartphones verlangen außerdem auch viele andere Apps. Ein Risiko, erklärt die VZSH: Theoretisch könnten diese Apps dort Einträge manipulieren, sodass eine Überweisung, die Nutzer auslösen, an einen anderen Empfänger geht.

Deswegen gelte, eine Firewall sowie Antivirenprogramme zu aktivieren und alle Programme (auch das Betriebssystem selbst) regelmäßig mit den neuesten Updates zu versorgen. Wichtig seien zudem gute Passwörter für das Gerät und sensible Apps, und sich nicht beim Einloggen über die Schulter schauen zu lassen.

Auch beim kontaktlosen Bezahlen an der Supermarktkasse machen sich Nutzer potenziell angreifbar, warnt die VZSH. „Zusätzlichen Schutz können spezielle Hüllen bieten, die Funkwellen blockieren“, sagt Michael Herte, Experte für Finanzdienstleistungen bei der VZSH. Das Bezahlen per Funktechnik NFC erlaubt einen Höchstabstand von 20 Zentimetern zwischen Lesegerät und Smartphone oder Kreditkarte.

Noch weiter als in Dänemark ist man in Kenia. M-Pesa („Geld“ auf Suaheli) wurde entwickelt, um kleinere Geldbeträge per SMS zu versenden. Und das bereits vor zehn Jahren von der Vodafone-Tochter Safaricom. Inzwischen zahlen rund 30 Millionen Menschen in zehn Ländern über den Dienst. Ein hochmodernes Smartphone braucht es dafür nicht. Denn das Geld wird auf den Chip der Sim-Karte geladen.

Mehr als zwei Drittel der kenianischen Bevölkerung nutzen M-Pesa; 25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts werden über den Dienst abgewickelt, schreibt „The Economist“. Der Dienst wurde entwickelt, um Zahlungen an Freunde oder Familienmitglieder zu vereinfachen – und auch für jene möglich zu machen, die kein Konto haben. Das betrifft in Kenia etwa 80 Prozent der Bevölkerung.

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