Online-Petitionen : Mit Klicks die Welt verändern

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Dank Online-Petitionen nie besserer Zeitpunkt für gesellschaftliches oder politisches Engagement und Beteiligung als jetzt.

svz.de von
30. Juli 2014, 11:27 Uhr

Unterschriften werden heute nicht mehr mühsam auf der Straße gesammelt. Die neue Macht der Bürger wächst im Internet. Kostenlos und mit winzigem Aufwand kann heute jeder eine Online-Petition starten. Mit 15 Jahren wurde Laxmi Opfer eines Säureanschlags, ihr Gesicht ist seitdem entstellt. Acht Jahre lang kämpfte die junge Inderin für strengere Kontrollen beim Verkauf von Schwefelsäure.

Vergeblich. Erst eine Online-Petition im vergangenen Jahr brachte Erfolg: Nachdem mehr als 27.000 Menschen sie unterschrieben hatten, verfügte das Oberste Gericht in Neu-Delhi, dass die ätzende Flüssigkeit nicht mehr frei verkäuflich sein darf.

Wie Laxmi versuchen immer mehr Aktivisten in aller Welt, ihre Ziele über Petitionen im Internet zu erreichen. Kostenlose Plattformen dafür bieten Portale wie Change.org, Campact oder Avaaz, die rasant wachsen. Besonders großes Aufsehen erregte in Deutschland im vergangenen Jahr eine Protestwelle zur Geburtshilfe. Dadurch landete der Schutz freier Hebammen als Ziel im Koalitionsvertrag.

Menschen für ein Anliegen zu mobilisieren, fällt leichter als je zuvor. Jede Woche starten allein bei Change.org in Deutschland fast 400 neue Unterschriftenaktionen. „Es gab historisch nie einen besseren Zeitpunkt für Engagement und Beteiligung“, sagt die Deutschland-Chefin von Change.org, Paula Hannemann. „Durch das Internet sind wir alle enger vernetzt, Informationen sind transparenter, und Aktivismus ist günstiger geworden. Schieflagen im System werden schneller bekannt.“ Und über ein Kampagnen-Portal kann sich jeder mit wenigen Klicks Gehör für sein Anliegen verschaffen. In aktuellen Petitionen geht es etwa um die Freilassung inhaftierter Journalisten in Ägypten, ein Mahnmal für die ums Leben gekommenen WM-Arbeiter in Brasilien, ein Ende der Diskriminierung Schwuler bei Blutspenden oder um Strandzugang in Niedersachsen. Inhaltlich verhalten sich die Betreiber von Change.org sich laut Hannemann neutral, anders als Anbieter wie Avaaz. Ansonsten stellt das Portal als Social Business lediglich die Technik zur Verfügung - wie etwa YouTube für Videos. Für den Nutzer ist das kostenlos, das Portal finanziert sich über gesponserte Petitionen und Werbung von Organisationen wie Amnesty International.

Zum Start einer Aktion müssen Nutzer nur drei Fragen beantworten: An wen soll sich die Petition richten? Was soll diese Organisation oder Person tun? Was wollen Sie verändern? Wer eine Kampagne unterstützen möchte, muss nur seinen Namen und seine E-Mail-Adresse eingeben.

„Nur Online reicht natürlich nicht, oft ist es der erste Schritt“, sagt Hannemann . Sie ist überzeugt von einem Wandel der demokratischen Kultur: Die Beteiligung der Bürger an jeder Art von Entscheidungen werde bald zum Alltag gehören wie der morgendliche Gang zum Bäcker.


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