Serie: Woche der Sicherheit : Mit der Angst im Nacken

Wenn Frauen abends alleine nach Hause gehen, überkommt sie oft ein mulmiges Gefühl. Verschiedene Smartphone-Apps wollen hier Sicherheit vermitteln.
Wenn Frauen abends alleine nach Hause gehen, überkommt sie oft ein mulmiges Gefühl. Verschiedene Smartphone-Apps wollen hier Sicherheit vermitteln.

Aufdringliche Verehrer im Club oder ein Geräusch aus dem Gebüsch auf dem nächtlichen Heimweg: Vor allem Frauen fühlen sich in Situationen wie diesen unsicher und fürchten sich vor gewalttätigen Übergriffen. Apps können bei Furcht vor Übergriffen helfen

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16. November 2017, 12:00 Uhr

Es ist November, die Tage kurz, die Nächte dunkel und lang. Der Mädelsabend ging mal wieder bis spät in die Nacht, und den Heimweg tritt man von der Bahnhaltestelle aus alleine zu Fuß an. Die Bäume werfen gespenstische Schatten, im Gebüsch raschelt es, und ein paar Meter hinter einem schlägt sich eine Gestalt durch die Nacht. Vor allem junge Frauen kennen dieses mulmige Gefühl.

Viele telefonieren daher gerne auf dem Weg nach Hause, weil sie sich so sicherer fühlen. Hier können Apps wie „KommGutHeim“ und „Companion“ helfen. Sie bieten Freunden oder Familienmitgliedern die Möglichkeit, die Heimgehenden per Live-Standort-Übertragung zu begleiten. Außerdem gibt es in den Apps einen Notfall-Knopf. Wird dieser aktiviert, werden die vorher hinterlegten Kontakte informiert, dass etwas nicht stimmt.

Manchmal liegen nachts aber vielleicht alle Freunde schon im Bett – was dann? Für diesen Fall haben zwei Berlinerinnen „das Heimwegtelefon“ entwickelt. Dort kann man donnerstags und am Wochenende anrufen und sich von einem der ehrenamtlichen Mitarbeiter nach Hause begleiten lassen. Rufer und Angerufener telefonieren, bis Ersterer am Zielort angekommen ist.

Beide Varianten verbindet die App „WayGuard“, die der AXA-Konzern in Zusammenarbeit mit der Polizei Köln entwickelt hat. Hier wird die Position der Nutzer an eine Leitstelle der Firma Bosch übermittelt, die eine Begleitoption bietet und im Ernstfall professionelle Hilfe organisiert. Alternativ kann man sich mit einem Begleiter aus dem privaten Umfeld verbinden lassen. Darüber hinaus stellt die App Präventions- und Verhaltenstipps zur Verfügung.

All diese Apps können auf dem Heimweg natürlich ein subjektives Gefühl von Sicherheit vermitteln. Möglicherweise lockt ein Smartphone in der Hand aber auch eher Täter an. Wer sich unsicher fühlt und das Gefühl hat, verfolgt zu werden, sollte in jedem Fall sofort bei der Polizei anrufen. Es gilt: Lieber einmal zu viel bei der Polizei anrufen, als einmal zu wenig.

Aber auch schon vor dem Antritt des Heimwegs können sich unangenehme Situationen ergeben, in denen sich Frauen bedroht fühlen. Beispielsweise am Wochenende in einem Club, wo mit steigendem Alkoholpegel meist auch die Anmachen plumper werden und man bedrängt wird. Oder das Date, mit dem man sich verabredet hat, überschreitet nach einigen Drinks die Grenzen. Hier setzt das Hilfsangebot „Luisa“ an. Mit der Frage „Ist Luisa hier?“ können sich betroffene Frauen an das Personal wenden und bekommen unmittelbar Hilfe. Initiiert wurde das Projekt vom Frauen-Notruf Münster e. V., zur Übernahme in anderen Städten wurde ein Corporate Design entwickelt. Mittlerweile gibt es in über 30 Städten kooperierende Bars und Clubs.

Am häufigsten findet Gewalt gegen Frauen allerdings in der eigenen Wohnung oder vertrauter Umgebung statt – am häufigsten ausgeübt von Partnern und Expartnern.

Regeln der Bundespolizei: Richtiges Verhalten in Notsituationen

- Helfen Sie, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Schauen Sie nicht weg, seien Sie aufmerksam, sprechen Sie andere (mögliche) Helfende direkt an oder sagen Sie laut, dass Sie Hilfe organisieren.

- Fordern Sie andere zur Mithilfe auf. Sprechen Sie den Mann an, der gerade aus dem Geschäft kommt, oder wenden Sie sich an den Fahrer der Straßenbahn. Einer direkten Ansprache kann man sich schwer entziehen.

- Beobachten Sie genau und prägen Sie sich Täter-Merkmale ein: Wie sah der Täter aus? Welche Kleidung trug er? Wohin ist er gegangen? Die Polizei ist auf Unterstützung angewiesen.

- Organisieren Sie Hilfe unter dem Notruf 110. Haben Sie kein Mobiltelefon dabei oder der Akku ist leer, bitten Sie eine andere Person, umgehend die Polizei zu verständigen.

- Kümmern Sie sich um Opfer: Erste Hilfe kann lebenswichtig sein. Kümmern Sie sich deshalb unverzüglich um verletzte Personen.

- Stellen Sie sich als Zeuge zur Verfügung: Mit Ihrer Aussage zum Geschehen tragen Sie dazu bei, dass die Straftat umfassend aufgeklärt werden kann.

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