zur Navigation springen

Internet-Kommentare : Mini-Quiz als Troll-Barriere

vom

Pöbler haben ein Ziel: Diskussionen im Netz zu sabotieren. Doch auch die Abwehr wird immer stärker.

von
erstellt am 03.Mär.2017 | 11:55 Uhr

Wer sich in Kommentarforen auf Nachrichtenseiten bewegt, hat wohl bereits festgestellt: Wo sich eigentlich ein öffentlicher, gewinnbringender Diskurs über das Thema des jeweiligen Artikels entspannen könnte, bestimmen ein paar Trolle das Tempo. Dauernörgler laichen ihre Standard-Tiraden ab und Hobbyprovokateure beschimpfen wahlweise die Akteure des Artikels, andere Kommentatoren oder gleich ganze Nationen. Andere wiederum versuchen, beim Thema zu bleiben, interpretieren aber eine eigene Fantasiegeschichte in die flüchtig gelesene Titelzeile hinein und offenbaren das mit sinnfreien Aussagen. Das Gesprächsklima in den vielen Foren ist mittlerweile so schlecht geworden, dass manche Nutzer kaum mehr Lust haben auf diese „Diskussion“, in der der Lauteste am meisten Gehör bekommt. Die interessierten Leser hingegen werden abgeschreckt.

Inzwischen hat sich ein ganzer Berufszweig um die Trollbekämpfung entwickelt. Einzelne Medienseiten haben ihre Kommentarfunktion abgeschafft – oder die Leserdiskussion auf der Seite geradezu versteckt. Dabei ist das Forum keine Schmuddelecke. Interaktivität ist das Spannendste,was das Internet zu bieten hat. Eine öffentliche Diskussion würde den meisten Themen gut tun – Stichwort Schwarmintelligenz. So habe ich unter Artikeln wertvolle Hinweise, Gegenmeinungen oder Randaspekte gelesen, die im eigentlichen Beitrag keine Beachtung gefunden haben.

Doch eine Lösung ist in Sicht. Und zwar aus einer Region, in der man sich mit Trollen auskennt: Norwegen. Das Tech-Portal nrkbeta.no lässt seine Leser erst kommentieren, wenn sie drei Fragen zum Artikel beantwortet haben. So werden gleich drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Trollarmeen werden ausgesperrt, die richtigen Leser werden ermutigt, vor dem Kommentieren den Artikel zu lesen– und man hat einen kleinen Quiz-Spaß am Ende. Erstmal sei es ein Experiment, ein „Duschgedanke“, der mal ausprobiert wird, heißt es in einem Artikel. Bei den Kommentatoren kommt das gut an – und vielleicht wird das Quiz-Experiment des nordischen Neuzeit-Archimedes ja von anderen aufgegriffen. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Lösung für ein verwirrendes Problem im Badezimmer entsteht.
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen