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Streaming : Mehr EU-Filme bei Netflix & Co

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Brüsseler Kommission will Streaming-Diensten Quote verordnen

Die Klinikserie „In aller Freundschaft“ anstelle der Fantasy-Reihe „Games of Thrones“? Mit einer Quote für mehr europäische Produktionen will die Brüsseler EU-Kommission amerikanische Filmanbieter an die Leine legen. Demnach sollen Netflix, Amazon und Co. künftig mindestens 20 Prozent ihres Streaming-Angebotes mit EU-Produktionen bestreiten.

Andrus Ansip, Vizepräsident der Kommission und zugleich für digitale Medien zuständig, bestätigte gegenüber der französischen Zeitung „Les Echos“, dass er sich eine solche Regelung „gut vorstellen“ könne. Eine entsprechende Vorschrift werde bei der Reform der Richtlinie für audiovisuelle Medien (AVMSD) verankert und müsse dann noch bei den Mitgliedstaaten und dem EU-Parlament eine Mehrheit finden.

Vor allem würde sie die Online-Anbieter mit den TV-Sendern auf eine Stufe stellen. Denn dort gibt es eine solche Quote bereits.

Auch wenn der Vorstoß, der vermutlich schon in der kommenden Woche offiziell präsentiert wird, ungewohnt klingen mag: Vergleichbare Instrumente haben verschiedene Mitgliedstaaten längst im Programm. In Österreich, Polen und Spanien sind die Video-Portale bereits verpflichtet, einen bestimmten Anteil ihres Angebots für inländische Produktionen zu reservieren. Frankreich gilt in der Branche als besonders strikt: Paris verlangt von den On-Demand-Diensten, bis zu 60 Prozent für frankophone Beiträge bereitzustellen. Einige EU-Staaten fordern von Netflix, Amazon und auch kleineren Anbietern darüber hinaus, Mittel zur Förderung europäischer Filme bereitzustellen.

„Diese überraschende Einbindung ist gar nicht notwendig“, kommentierte James Waterworth, Vizepräsident der Brüsseler Filiale des Handelsverbandes CCIA, dem auch Netflix und Amazon angehören, die Überlegung. „Die Idee kultureller Quoten ist überholt und liegt im 21. Jahrhundert nicht mehr im Interesse der Kunden. Das hilft weder denen, die die Inhalte noch das Internet innovativ auffrischen wollen.“

Tatsächlich scheinen die Anbieter auch wenig Nachholbedarf zu haben. Filme, Serien und Videos aus der EU würden schon heute bis zu 27 Prozent der Kataloge stellen, hieß es in Brüssel. Netflix verwies darauf, dass man in diesem Monat mit „Marseille“ erstmals eine eigene, in Europa produzierte Serie ausstrahle.

Allerdings beschert die Neufassung der Richtlinie für audiovisuelle Dienste auch den Fernsehzuschauern eine tiefgreifende Neuerung. Sollte es bei dem gestern bekanntgewordenen Entwurf bleiben, dürfen die Sender ihre Werbung deutlich intensiver an den Kunden bringen. Die 30 Jahre alte Fernsehrichtlinie schreibt den Reklame-Anteil auf 20 Prozent des Programms pro Stunde fest. In Zukunft sollen höchstens 20 Prozent Werbung pro Tag gestattet werden. Allerdings dürfen die Senderzwischen 20 und 23 Uhr mehr Spots ausstrahlen und dafür Filme und Nachrichtensendungen öfter als heute unterbrechen.

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