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Auktionen im Netz : Kunst unterm Online-Hammer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Internet wird für den Kunsthandel immer wichtiger. Sind die Tage des klassischen Holzhammers gezählt?

Traditionelle Kunst-Auktionshäuser kommen um das Internet inzwischen kaum noch herum. Das hat mehrere Gründe. „Die Kosten bei traditionellen Auktionen sind enorm“, sagt Hans Neuendorf, Gründer der Internet-Kunsthandels-plattform Artnet. „Sie entstehen dadurch, dass die Häuser die Objekte zum Auktions-Ort transportieren müssen. Finden sie keinen Käufer, gehen sie wieder zurück.“ Im Internet ließen sich solche Kosten umgehen.

„Im Kontext der Auktionen kann ich heute von jedem Ort der Welt auf Kunstwerke zugreifen“, fügt Daniel Hornuff hinzu, Kunstwissenschaftler an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. „Mit wenigen Klicks sind Millionen investiert.“ Europäische Auktionshäuser setzten mit klassischen Auktionen im vergangenen Jahr rund fünf Milliarden US-Dollar um. Das waren 13 Prozent weniger als 2015, wie aus dem neuesten Art Market Report der TEFAF hervorgeht, eine der weltweit wichtigsten Kunstmessen im niederländischen Maastricht. „Der Aufwand steigt, die Marge sinkt“, sagt Auktionshaus-Inhaber Robert Ketterer.

Doch der Online-Markt ist umkämpft. Zahlreiche Start-ups tummeln sich dort und versuchen, sich als reine Online-Auktionshäuser zu etablieren. „Es gibt eine Reihe von kleinen Versuchen, deren Zukunft ungewiss ist“, sagt Artnet-Gründer Neuendorf. Eines der ambitioniertesten Projekte scheiterte erst kürzlich: Das Online-Auktionshaus Auctionata war vor fünf Jahren angetreten, um den Online-Kunsthandel salonfähig zu machen. Das Unternehmen streamte Auktionen ausschließlich über das Internet. Ein weltweites Netzwerk von mehr als 200 Experten sollte für die Echtheit und Provenienz der Objekte garantieren. Nun meldete Auctionata Insolvenz an.

Wichtige Akteure im Online-Kunsthandel sind außer Artnet deshalb vor allem die traditionellen Häuser mit ihren lange gewachsenen Strukturen und Experten-Netzwerken. Sotheby’s und Christie’s gehören dazu, in Deutschland vor allem Ketterer und mit ersten Versuchen auch Van Ham in Köln.

„Für viele Sammler lebt die Kunst im Analogen, sie ist mit Originalität und Einzigartigkeit verbunden“, sagt Kunstwissenschaftler Hornuff. Diesem Anspruch kämen traditionelle Auktionen am besten nach. Viele der Häuser pflegten zum Internet deshalb ein gespaltenes Verhältnis.

„Der Reiz an der Beziehung zwischen einem Sammler und dem Kunstwerk im Original, die persönliche Teilnahme an Vorbesichtigung und Auktion scheint uns immer noch als ein erfolgreiches und zeitgemäßes Modell“, sagt etwa Anna Ballestrem, Sprecherin beim Berliner Auktionshaus Grisebach. Das Unternehmen bietet zwar auch die Möglichkeit, über einen Internetstream den Saalauktionen beizuwohnen und mitzubieten. Reine Online-Auktionen wie bei Ketterer seien derzeit aber nicht vorgesehen.

Artnet-Gründer Neuendorf meint: „Auch bei den Saal-Auktionen kaufen die meisten Leute fast nur nach Katalog. Eine Überprüfung auf Echtheit kann auch per Mail oder Foto erfolgen.“ Die Frage ist deshalb, wie lange sich manche der traditionellen Häuser ihre Internet-Skepsis noch leisten können.

Matthias Arnold

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