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Demaskierung : Klarnamen-Zwang bei Facebook

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nach Demaskierung: Dragqueens und Burlesque-Tänzerinnen aus den USA wehren sich

svz.de von
erstellt am 19.Sep.2014 | 22:27 Uhr

„Rqwerpojasdlfjasöo“ ist ein Vorname, mit dem man sich bei Facebook durchaus als neuer Nutzer anmelden kann. Die Frage ist, wie lange man damit durchkommt. Denn Facebook verlangt von seinen Nutzern den echten Namen - und setzt darauf, dass andere User Konten mit Pseudonymen melden. Sister Roma, ein Mann, tritt in der Öffentlichkeit wie auch auf Facebook als Travestiekünstlerin auf, stellt sich damit als Frau dar. Doch nun heißt sie wie früher Michael Williams. Denn Facebook fordert andere Nutzer auf, anonyme Profile aufzudecken. So ist der Streit um Klarnamen im weltgrößten sozialen Netzwerk längst zur Grechtenfrage geworden. Die Liste der Betroffenen ist jedoch noch weit größer. Lehrer, Ärzte und Therapeuten, aber auch Frauen, die sexuell belästigt oder gestalkt wurden, haben gute Gründe, ihren wahren Namen im Internet zu verschleiern. „Ich bin gefeuert worden, weil ein Student ein Foto von mir entdeckte, das ihm nicht gefiel und sich beim Präsidenten der Universität beschwerte“, berichtet Sheila Addison. Mittlerweile unterrichtet sie an der Capella-Universität in Minnesota und arbeitet auch als Ehe- und Familientherapeutin. Kunden könnten sich übermäßig für ihr Privatleben interessieren und im Netz Dinge erfahren. Dabei will die Therapeutin für ihre Patienten möglichst „neutral“ bleiben. „Facebook ist eine Gemeinschaft, in der Nutzer ihre wahren Identitäten verwenden“, erläutert das Unternehmen seine Regeln. Der echte Name, wie er auf Kreditkarte, Führerschein und Studentenausweis angegeben ist, trage „zur Sicherheit unserer Gemeinschaft“ bei. Es gehe außerdem darum, unverantwortlichen Usern, die andere unter falschem Namen schikanierten, keinen Raum zu bieten. Verbergen kann man seinen Klarnamen nicht, dafür Spitznamen hinzufügen. Man könne aber eine extra Fan-Seite anlegen, um sich eine weitere Identität zu schaffen, betont ein Sprecher des Netzwerks. In der Praxis können sich Facebook-Nutzer allerdings einfach fremde Namen geben, die bürgerlich klingen. Damit lässt sich ein normales Facebook-Profil erstellen. Freunde aus dem realen Leben kennen dabei meist die wahre Identität, Fremde aus der Online-Welt hingegen nicht.

Der deutlich kleinere Konkurrent Google Plus reagierte schon auf ähnliche Proteste seiner Nutzer: Im Juli 2014 entschuldigte sich das Soziale Netzwerk und hob seine Beschränkungen bei der Namenswahl auf.

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