Internet : Keine Drossel-Klausel mehr

Die Telekom wird Tarife im Festnetz nicht drosseln, wenn sie „Flatrate“ heißen.  Bei den neuen Volumentarifen wird es aber Begrenzungen geben .

svz.de von
18. Dezember 2013, 11:29 Uhr

Entwarnung für alle Verbraucher, die seit dem 2. Mai eine DSL-Flatrate bei der Telekom gebucht haben: Eine damals festgeschriebene Klausel, nach der die Geschwindigkeit bei Überschreiten eines bestimmten Datenvolumens für den Rest des Monats auf 2 Megabit pro Sekunde (MBit/s) gedrosselt wird, findet keine Anwendung. Das teilte das Unternehmen gestern mit. Kunden müssten dafür nicht aktiv werden. Ab dem 5. Dezember werde die Klausel auch wieder aus den Geschäftsbedingungen gestrichen. Alle betroffenen Kunden will das Unternehmen schriftlich informieren. Die Telekom reagiert damit auf ein Urteil. Doch die Drosselung taucht in neuen Tarifen wieder auf. Hintergründe von Jessica Binsch.

Was passiert mit den „Flatrate“-Tarifen im Festnetz?

Wer eine Internet-Flatrate bei der Telekom bucht, soll sie auch bekommen. Eine Drosselung soll es bei Tarifen mit dem Namen „Flatrate“ nicht geben. „Wir wollen verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen“, sagte Telekom-Deutschlandchef Niek Jan van Damme. „Flatrate“-Surfer sollen nicht mehr ausgebremst werden, wenn sie ein bestimmtes Datenvolumen im Monat überschreiten. Diese Pläne hatten eine heftige Diskussion entfacht und der Telekom den Spitznamen „Drosselkom“ eingebracht.

Warum ändert die

Telekom

ihre Drosselpolitik?

Die Telekom reagiert mit dem Schritt auf ein Urteil des Kölner Landgerichts von Ende Oktober. Das Gericht hatte dem Konzern untersagt, das Übertragungstempo von DSL-Tarifen, die die Bezeichnung Flatrate im Namen tragen, zu drosseln, wenn – je nach Tarif – ein Datenvolumen von 75 bis 200 Gigabyte (GB) erreicht wird. Bei der Bezeichnung Flatrate erwarteten Kunden einen Festpreis für eine bestimmte Surfgeschwindigkeit und rechneten nicht mit Einschränkungen, so die Richter.

Das Thema wurde unter dem Stichwort „Netzneutralität“ sogar im Bundestag debattiert. Denn die Telekom wollte eigene Dienste von der Datenobergrenze ausnehmen, was zusätzliche Gegner auf den Plan rief. Bei diesen „Managed Services“ will die Telekom vorerst nicht nachgeben. Die Bevorzugung garantiere die Übertragungsqualität bestimmter Dienste, so Marketing-Chef Michael Haghspihl.

Was heisst das

für bestehende

Flatrate-Verträge?

Die Telekom hatte die Drosselung ursprünglich im April angekündigt. Seit Mai gab es eine entsprechende Klausel in den Verträgen von Neukunden, ab 2016 sollte das Surfvolumen dann begrenzt werden. Diese Passage wird nun gestrichen. Wer seit diesem Frühjahr eine Internet-Flatrate fürs Festnetz bei der Telekom gebucht hat, wird also weiter ungedrosselt surfen können. Die Altverträge waren nicht von der Drosselung betroffen.

Ist die Drosselung damit komplett vom Tisch?

Nicht ganz. Zwar werden keine „Flatrate“-Tarife mehr gedrosselt. Die Telekom führt allerdings neue Volumentarife ein. Die sollen billiger als die Flatrates sein, sie werden aber auch eine Obergrenze für die erlaubte Datenmenge beinhalten. Wer in diesen Tarifen mehr verbraucht, wird gedrosselt. Details nannte die Telekom noch nicht. Vermutlich werden die Tarife ab 2016 eingeführt und mit ähnlichen Eckpunkten aufwarten wie die ursprünglich geplante Drosselung.

Warum wollte

die Telekom überhaupt

auf die Bremse treten?

Kunden verbrauchen beim Internetsurfen immer mehr Daten, weil sie Videos im Netz gucken oder Musik streamen. Gleichzeitig sollen schnelle Internetverbindungen über Breitband ausgebaut werden. Das kostet Milliarden, die die Telekom wieder erwirtschaften muss. Wer mehr verbraucht, solle auch mehr bezahlen, so die Telekom. Unter den Wettbewerbern arbeiten zum Beispiel bereits O2 oder 1&1 mit monatsbezogenen sowie Kabel Deutschland mit tagesbezogenen Volumengrenzen bei bestimmten Tarifen.

Wie sieht es bei

Handyverträgen aus?

Das Gerichtsurteil gegen die Drosselung bei Flatrates bezieht sich nur auf Festnetz-Verträge. Dort rechneten Kunden nicht mit Einschränkungen, wenn sie eine Flatrate kaufen, urteilte das Kölner Landgericht. Bei Handytarifen ist eine Drosselung nach einem bestimmten Datenvolumen dagegen weit verbreitet. Aber „nur weil im Mobilfunk alle drosseln, heißt das nicht, dass der Verbraucher unter einer Flatrate etwas anderes versteht als im Festnetz“ , sagt Thomas Bradler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

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