zur Navigation springen

Alte Konten löschen : Karteileichen im Netz

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Yahoo statt Google, ICQ statt Whatsapp, StudiVZ statt Facebook: So können Sie alte Internetkonten finden und löschen

svz.de von
erstellt am 14.Feb.2017 | 21:00 Uhr

Sei es ICQ zum Chatten, StudiVZ und Co als Facebook-Vorgänger oder unzählige Webmailer und Portalanbieter im Stil von AOL - Wer schon seit ein paar Jahren surft, hat zahlreiche Konten angesammelt, die heute brach liegen. Ist das ein Problem?

„Das hängt vor allem davon ab, was bei den Diensten gespeichert ist und ob Sie das Passwort von diesen Konten noch anderswo nutzen“, sagt Prof. Melanie Volkamer, die an der TU Darmstadt die Forschungsgruppe SECUSO (Security, Usability, Society) leitet.

Kritisch sind Zahlungsdaten aller Art - vor allem, wenn die hinterlegten Konten und Kreditkarten heute noch im Einsatz sind. Auch noch aktuelle Adressen oder Telefonnummern können für Kriminelle wertvoll sein. Und ein mehrfach genutztes Passwort dient Hackern als Generalschlüssel für andere Accounts und die Daten darin.

Hier dürfen sich Nutzer auch nicht darauf verlassen, dass jeder Dienst ihre Daten gleichermaßen gut schützt. So sollten die Anbieter Passwörter zum Beispiel stets besonders gut sichern - Experten sprechen von „hashen“. „Das war auch vor Jahren schon bekannt“, sagt Volkamer. Das vorgerückte Alter eines Dienstes muss also noch kein Indiz für Sicherheitsmängel sein. Es gebe aber immer wieder Firmen, die sich nicht daran halten, so die Expertin.

Doch wer erinnert sich heute noch an das Passwort eines 15 Jahre alten Accounts? So lange man den alten Nutzernamen noch kennt und Zugriff auf die damit verknüpfte E-Mail-Adresse hat, ist das kein großes Problem - zumindest theoretisch. Denn dann lässt sich meist die „Passwort vergessen“-Funktion oder die Sicherheitsfrage nutzen.

Nur weil man Zugriff auf einen Account hat, lässt er sich aber nicht unbedingt direkt löschen. Einen entsprechenden Link in den Einstellungen gibt es nicht immer - auch nicht bei aktuellen Dienste. Bei Amazon etwa müssen Kunden den Support bemühen. Bei älteren oder nicht mehr aktuellen Anbietern ist der Weg zur Kontolöschung oft noch umständlicher.

Wenn der Nutzer ein Konto schließt oder löscht, sind die Daten darin aber nicht immer weg. 2013 fand der Verbraucherzentrale Bundesverband heraus, dass viele Dienste Kundendaten nicht konsequent löschen - leicht erkennbar daran, dass diese auch Jahre später bei einer neuen Anmeldung noch vorhanden sind.

Carola Elbrecht vom Verbraucherzentrale Bundesverband glaubt nicht, dass sich das grundlegend geändert hat: „Sie haben als Verbraucher einen Anspruch darauf, dass Ihre Accounts gelöscht werden“, erklärt sie. „Der Verbraucher kann aber oft nicht überprüfen oder nachvollziehen, dass das auch passiert.“ Trotzdem kann es sich lohnen, den Rechtsanspruch auf Auskunft über gespeicherte Daten und deren Löschung geltend zu machen - am besten schriftlich. Der Teufel steckt dabei im Detail: Onlineshops etwa dürfen manche Nutzerdaten gar nicht löschen, weil sie diese unter anderem für das Finanzamt brauchen. Darauf weist das Rechtsportal „iRights.info“ hin. In solchen Fällen sollte man nicht die Löschung dieser Daten beantragen, sondern ihre Sperrung.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen