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Digital

24. Oktober 2017 | 00:50 Uhr

Werbeblocker : Kampf um die Werbung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ein Fünftel der Deutschen nutzen Werbeblocker: Verlage sehen dadurch ihr Geschäft bedroht

Der Werbeblocker „Adblock Plus“ des Kölner Unternehmens Eyeo GmbH ist unter Internet-Anwendern populär – aber gleichzeitig hochumstritten. Nutzer des Programms bekommen keine Werbung angezeigt, Unternehmen, die mit dem Schalten von Werbeanzeigen innerhalb ihres Onlineauftritts Geld verdienen, geht eine wichtige Erlösquelle verloren. Bernd Nauen, Geschäftsführer des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft (ZAW), kommt per Hochrechnung auf die Zahl von jährlich 336 Millionen Euro, die den Medien und werbefinanzierten Diensten nicht zur Verfügung stehen würden. Doch belastbare Zahlen gibt es nicht.

Kürzlich gab Eyeo eine Kooperation mit dem Spendendienst Flattr bekannt. Künftig solle Geld an die Ersteller von Webinhalten wie Journalisten, Künstler oder Blogger gehen. Nutzer sollen einen monatlichen Betrag an Flattr zahlen, der dann anhand des Surfverhaltens anteilig vergeben wird. Häufig besuchte Inhalteproduzenten werden dann einen größeren Betrag als selten angeklickte erhalten.

Doch ob dieses neue Geschäftsmodell die Kritiker milde stimmt, ist fraglich: „Adblock plus“ sei nicht irgendeiner, sondern „das schwarze Schaf“ unter den Blockern, sagt Oliver von Wersch, Digital-Geschäftsführer von Gruner+Jahr (G+J). Denn Eyeo verdient damit Geld, dass sich Unternehmen gegen Bezahlung einem „Programm für akzeptierte Werbung“ anschließen und ihre Webseiten im Gegenzug auf die Ausnahme-Liste („Whitelist“) des Blockers gesetzt werden. Mit globalen Konzernen wie Google und Amazon ist Eyeo bereits im Geschäft.

Kritiker wie Oliver von Wersch nennen das Geschäftsmodell von Eyeo „mindestens sittenwidrig“, andere werfen dem Unternehmen gar Erpressung vor. „Ganz offensichtlich geht es Eyeo in erster Linie darum, Teile von Werbegeldern abzugreifen“, erklärt Knud Andresen, Sprecher des Axel-Springer-Konzerns.

Eyeo-Sprecherin Laura Sophie Dornheim weist die Vorwürfe zurück: „Unternehmen zur Nutzung unseres Services zu nötigen, ist definitiv nicht Teil unseres Geschäftsmodells“, sagt sie. Die Betreiber von 90 Prozent der Webseiten auf der Whitelist müssten nichts bezahlen, nur große Unternehmen müssten Lizenzgebühren entrichten.

Vor Gericht bekam Eyeo bislang weitgehend Recht: In fünf Verfahren haben Medienunternehmen, darunter Axel Springer, bisher vergeblich versucht, „Adblock plus“ mit wettbewerbs- und urheberrechtlichen Argumenten verbieten zu lassen. Ein sechstes, angestrengt von Spiegel Online, steht unmittelbar bevor.

In den ersten Verfahren geht es bereits in die zweite Runde: Axel Springer hat Berufung eingelegt, am 20. Mai beginnt die mündliche Verhandlung vor dem Oberlandesgericht Köln. Man darf wohl davon ausgehen, dass es zu einer Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) kommen wird, aber das kann dauern.

Erfolgreicher als vor Gericht sind die Unternehmen offenbar mit gezielten Gegenmaßnahmen im Netz: Bei bild.de und einigen G+J-Webseiten können Nutzer nur dann weiterlesen, wenn sie den Werbeblocker ausschalten oder ein Digital-Abo abschließen. „Süddeutsche Zeitung“ und „Spiegel Online“ erwägen dem erfolgreichen Modell zu folgen. G+J will in den nächsten Wochen auch stern.de mit einem Werbeblocker-Blocker ausstatten.

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