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Digital

18. November 2017 | 09:43 Uhr

Rostock : Kampf gegen Cybermobbing

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Webinare von Law4school warnen Schüler vor Cyberkriminalität

von
erstellt am 18.Mai.2015 | 21:00 Uhr

Ein 13-jähriges Mädchen verliebt sich in einen Jungen aus ihrer Schule. Sie versucht alles, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen – vergeblich. Schließlich macht sie ein Video von sich – vollkommen nackt – und schickt es ihm. Was dann passiert, damit hat sie nicht gerechnet. Der Junge teilt das Video mit seinen Freunden. Schon bald hat die halbe Schule den Clip gesehen.

„Solche Inhalte sind wie ein Tattoo oft für immer und ewig. Einmal im Internet lassen sie sich kaum wieder löschen“, meint Gesa Stückmann. Aus diesem Grund hat die Rechtsanwältin aus Rostock das Programm Law4School entwickelt, bei dem sie über Webinare, also digitale Seminare, mit Klassen über die Gefahren des Internets spricht.

Jeder siebte Jugendliche im Alter von zehn bis 18 Jahren ist laut einer Erhebung des IT-Branchenverbandes Bitkom schon einmal Opfer von Mobbing im Internet geworden. Und auch der Stapel an Fällen auf Stückmanns Schreibtisch wird immer größer. Dabei spiele es keine Rolle, aus welchem Elternhaus oder von welcher Schule die Kinder kämen: „Jeder kann Mobbingopfer werden und jeder Täter sein. Die Technik ist einfacher geworden, Kinder bekommen immer früher ein Handy und Eltern wissen oft selbst nicht genug über die Gefahren“, fasst sie zusammen.

Mobbing, Erpressung, Stalking – und kaum Aufklärung. Mit Law4School hat Stückmann der Cyber-Kriminalität den Kampf angesagt. Die Kinder und Jugendlichen holt sie dort ab, wo sie sind: Nämlich im Internet. Auf der Seite www.law4school.de können sich Klassenverbände für die Cyberseminare anmelden. Dazu benötigen sie nur einen Rechner, Internet, Lautsprecher und im besten Fall einen Beamer. Schon geht’s los. Mit einem Mausklick erscheint Stückmann im Klassenraum – natürlich nur digital. Sie erzählt anschaulich aus den Erfahrungen ihrer eigenen Fälle, beschreibt die Rechtslage im Internet, die Konsequenzen für Täter, aber auch die Rechte der Opfer und erklärt, was Schüler im Mobbingfall tun können. Das Webinar ist jedoch keine einseitige Angelegenheit. Die Schüler können an Umfragen teilnehmen und per Mikro selbst Fragen stellen.

Redebedarf besteht immer. Stückmann zitiert wörtlich aus ihren Fällen, nimmt kein Blatt vor dem Mund und schildert mitunter verstörende Situationen. „Ich muss die Kinder nicht schonen. Ich erzähle das, was ich in der Praxis erlebe. Das ist die Realität“, meint Stückmann.

Nach 90 Minuten ist es vorbei. Mit einem Klick verschwindet Stückmann wieder aus dem Klassenraum. „Von Lehrern weiß ich, dann sprudelt es erst richtig aus den Schülern heraus. Viele haben selbst so einen Fall schon einmal miterlebt.“

Hier abstimmen: http://a.pgtb.me/vpZ7ZC

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