Mark Zuckerberg tut es : Kamera und Mikro abkleben: Schutz oder Schwachsinn?

<p>Abgeklebte Kameras und Mikrofone sollen Schutz vor Hackern bieten</p>

Abgeklebte Kameras und Mikrofone sollen Schutz vor Hackern bieten

Abgeklebte Kameras und Mikrofone sollen Schutz vor Hackern bieten, selbst Facebook-Chef Mark Zuckerberg tut es. Dabei bringt ein abgeklebtes Mikrofon kaum Schutz. Ist das also nur Panikmache? Nein, sagt ein IT-Sicherheitsexperte.

svz.de von
25. April 2017, 20:45 Uhr

Webcam und Mikrofon abkleben – alles Quatsch? Nein, leider nicht. Hacker und Gauner können Webcam und Mikrofon eines Computers oder eines Handys kapern und anschließend Bilder und Gespräche aufzeichnen. Unter anderem US-Whistleblower Edward Snowden, CIA-Mitarbeiter und Facebook-Chef Mark Zuckerberg kleben ihre Webcams ab.

 

Ich bin kein Promi – sollte ich das trotzdem tun?

Natürlich ist der Facebook-Chef für Hacker interessanter, als der einfache Arbeiter von nebenan. Immerhin könnte der gekaperte Zuckerberg-Rechner Einblicke in die Pläne des Unternehmens geben oder pikante Details über dessen Besitzer einbringen. Die Spanne der Eingreifer reicht jedoch vom professionellen Spion bis zum privaten Stalker. Auch wenn die Übernahme von Webcams und Mikrofonen in der Hackerwelt eine Nische ist, sagt Christian Funk, Leiter des deutschen Forschungs- und Analyse-Teams des IT-Softwareunternehmens Kaspersky Lab: „Wenn man um die eigene Privatsphäre besorgt ist, sollte man sich auf jeden Fall so schützen.“

Zeigt das Lämpchen nicht an, ob die Webcam läuft?

Ja, aber nur, wenn seriöse Programme mit Kamerazugriff, wie die Videotelefonie-Software Skype, laufen. Auf gekaperten Geräten sind die Übeltäter durchaus in der Lage, die Kamera unerkannt zu starten. Dazu kommt die mangelnde Aufmerksamkeit der Nutzer: In einer nicht repräsentativen Studie der US-Universität Berkeley hatten nur 27 von 98 Personen bemerkt, dass das die LED der Kamera während der Arbeit am PC aufleuchtete. Auf das Lämpchen ist also kein Verlass.

Wie schütze ich mich vor Webcam-Angriffen?

Eine abgeklebte Webcam bringt einfachen und effektiven Schutz. Dazu reicht ein Zettel, ein Sticker, ein Streifen Klebeband oder ein Pflaster. Wer die Kamera nur selten nutzt, hat nahezu keine Nachteile. Anwender, die die Webcam häufiger in Betrieb haben, können auf Aufstecklösungen oder Handyhüllen mit einer kleinen Schiebeklappe zurückgreifen und schnell zwischen Schutz und Einsatz wechseln.

Was hilft gegen Mikrofon-Angriffe?

Ein Klebestreifen über dem PC-Mikrofon bringt nicht viel. Zwar sinke dadurch die Qualität der Aufnahme, doch das ließe sich im Nachhinein per Software schnell beheben, sagt Funk. Erfahrenere Nutzer könnten das Mikrofon in der Systemsteuerung deaktivieren, doch selbst das könnten Hacker aus der Ferne ändern, so Funk weiter. Sein Tipp: Sicherheitssoftware, die Webcam und Mikrofon überwacht und jeden versuchten Zugriff meldet.

Wie bekommen die Schurken überhaupt Zugriff auf meine Geräte?

Das größte Einfalltor ist laut Christian Funk weiterhin die klassische E-Mail. Über E-Mail-Anhänge, wie Office- oder PDF-Dokumente, ZIP-Dateien oder Links zu manipulierten Webseiten werden Schadsoftware-Pakete geladen, sogenannte „Exploit Kits“. Die suchen den verwendeten Internetbrowser und installierte Browser-Erweiterungen nach Schwachstellen ab, über die sie heimlich Code nachladen können. Nutzer merken davon nichts.

Solche E-Mails öffnen doch nur Anfänger, oder?

Der Sicherheitsexperte sagt: „Die Qualität der Schad-E-Mails ist in den vergangenen fünf Jahren gewaltig angestiegen.“ Offensichtlich gefälschte Mails, die schon durch viele Rechtschreibfehler auffallen, gebe es kaum noch, so Funk. Er rät Nutzern, jede E-Mail auf Plausibilität hin zu überprüfen, bevor ein Anhang geöffnet wird. 

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