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3D-Brillen auf dem Vormarsch : Jetzt kommt die „virtuelle Realität“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In den nächsten Monaten Bewährungsprobe für 3D-Brillen, mit denen in virtuelle Welten eingetaucht werden kann

Die „virtuelle Realität“ mit ihrem großen Versprechen, Nutzer in andere Welten eintauchen zu lassen, steht vor dem Sprung in den Alltag. In den kommenden Monaten sollen nach jahrelanger Entwicklung mehrere Modelle digitaler VR-Brillen in den Handel kommen.

Der Begriff „virtual reality“ ist zwar schon seit den 80er Jahren in Mode, doch die Idee war ihrer Zeit voraus. Geräte waren nicht leistungsstark genug, zu teuer und viel zu klobig. Jetzt sind die kommenden Brillen wie Oculus VR von Facebook oder Playstation VR von Sony noch durchaus präsent auf dem Kopf - aber eben auch gut tragbar. Größe und Rechenleistung waren aber nur einige Hürden. Bis zuletzt war es so, dass viele sich beim Ausflug in virtuelle Welten über Übelkeit beschwerten.

Der Preis von voraussichtlich über 350 Dollar oder 1500 Dollar für eine Oculus-Brille samt Computer könnte manchem ebenfalls schwindelerregend vorkommen. Doch vor allem Gamer warten schon seit Jahren darauf und sind bereit, Geld in die Hand zu nehmen.

Was genau die ersten VR-Kunden erwartet, ist noch unklar. Sony demonstrierte die Fähigkeiten der Technik im Herbst zum Start des Kinofilms „The Walk“, als Besucher einiger Vorführungen sich mit Hilfe der VR-Brille auf ein Seil zwischen den Türmen des New Yorker World Trade Centers begeben konnten.

Nehme man die Entwicklung des Handy-Marktes als Vergleich, sei VR noch im Stadium der Mobiltelefone in der Größe eines Ziegelsteins, sagte Ted Schilowitz, Zukunftsforscher bei 20th Century Fox.

Die Technologie funktioniere zwar. Sie sei aber bei weitem noch nicht reif, um von der breiten Masse angenommen zu werden. Die Marktforscher von Juniper Research rechnen mit drei Millionen verkauften VR-Headsets im kommenden Jahr - aber mit einem Sprung auf rund 30 Millionen 2020.

Die Branche blickt in die Zukunft und das Rennen um die Produktion passender Inhalte läuft bereits. Facebook richtete im vergangenen Jahr ein eigenes Studio ein, das zunächst Kurzfilme für die VR-Brille dreht. „Geschichten in virtueller Realität zu erzählen, ist viel komplexer“, sagte Kreativdirektor Saschka Unseld. Zugleich seien die Möglichkeiten viel größer, weil der Zuschauer sich mittendrin befinde und reagieren könne. Die Brillen haben Sensoren, die Bewegungen erkennen und das Bild entsprechend anpassen.

Neben Computerspielen gelten auch Konzerte als spannendes Anwendungsfeld. Im September stiegen Springer und ProSiebenSat.1 zusammen mit Disney und Sky mit 65 Millionen Dollar beim Startup Jaunt ein. Die Firma hatte ihre Technologie mit dem VR-Mitschnitt eines Auftritts von Paul McCartney demonstriert.

Der nächste Schritt sind Kameras, mit denen die reale Welt rundum erfasst werden kann. Google und GoPro verkaufen ein System für 360-Grad-Videos für 15 000 Dollar. Gut die Hälfte davon machen die 16 kreisförmig angeordneten GoPro-Kameras aus. Das kalifornische Startup Lytro will seine Lichtfeld-Technologie einsetzen, bei der möglichst viele Lichtstrahlen eingefangen werden. Die Kamera soll einige hunderttausend Dollar kosten. Er rechne jedoch damit, dass die Technologie binnen drei Jahren auch für Verbraucher erschwinglich sein werde, sagte Lytro-Chef Jason Rosenthal.

Andrej Sokolow

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