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Technologie : Ist das Handy der Zukunft biegsam?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ultradünnes Glas eröffnet Visionen von neuartigen Geräten

svz.de von
erstellt am 06.Okt.2015 | 10:00 Uhr

Ein Laser sticht winzige Löcher in eine dünne Glasscheibe. Stolz zeigt ein Mitarbeiter das Ergebnis – die kleine Glasscheibe steht bei der Schott AG in Mainz für eine Technik, mit der sich das 131 Jahre alte Unternehmen neu erfinden will.

Durch die Löcher im Glas können Leitungen geführt werden, die elektronische Bauteile wie Prozessor oder Datenspeicher miteinander verbinden. „Je kürzer die Leiterbahn, desto geringer der Energieverlust und desto länger die Batterielaufzeit etwa bei einem Smartphone“, erklärt Projektleiter Rüdiger Sprengard. Auch das Tempo bei der Übertragung von Daten kann gesteigert werden.

Glas biete den Vorteil, dass es sehr spannungsfest und gleichzeitig thermisch robust und zuverlässig sei. „Das Packaging von Bauelementen - also die kompakte Unterbringung in einem Gehäuse - verspricht mehr Leistung und bietet der Branche neue Anwendungsmöglichkeiten.“ Beim Einsatz von Glas anstelle von Silizium könne das Tempo beim Datentransfer von Prozessoren aufgrund der höheren elektronischen Isolation im Vergleich zum bisherigen Stand der Technik verachtfacht werden, sagt Sprengard. Eine zehnmal so hohe Geschwindigkeit sei beim Datentransfer von Speicherbausteinen möglich.

Der eigentlich sehr spröde Werkstoff Glas kann durch chemische Eingriffe wie den Austausch von Ionen sowie spezielle Schneid- und Produktionstechniken extrem dünn und biegsam gemacht werden. Die Scheiben sind dann nur noch 50 Mikrometer dick – das entspricht etwa einem menschlichen Haar. In den Laboren werde aber bereits an der Entwicklung von Dünnstgläsern mit zehn Mikrometern gearbeitet, erzählt Schott-Forschungsvorstand Hans-Joachim Konz.

Schott nahm die Entwicklung der Technik vor ungeführ fünf Jahren auf. Seit 2014 ist das Unternehmen dabei, mit Kunden spezifische Lösungen zu entwickeln und so in die Markterschließung einzusteigen. In ersten Produkten ist Ultradünnglas bereits eingebaut - etwa als Infrarot-Sperrfilter in Smartphone-Kameras.

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