Millionen-deal : In die virtuelle Welt

Die Firma Oculus VR stellt digitale Brillen her, mit denen   man in virtuelle Welten eintauchen kann.
Die Firma Oculus VR stellt digitale Brillen her, mit denen man in virtuelle Welten eintauchen kann.

Facebook kauft Hersteller digitaler Brillen

svz.de von
27. März 2014, 00:00 Uhr

Nur wenige Wochen nach dem spektakulären Deal um WhatsApp hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg den nächsten Milliarden-Zukauf eingefädelt. Er blättert insgesamt bis zu 2,3 Milliarden Dollar (1,7 Mrd Euro) für Oculus VR hin, einen Spezialisten für digitale Brillen, mit denen sich virtuelle Welten darstellen lassen.

„Mobile Geräte sind die Plattform der Gegenwart. Wir bereiten uns auf die Plattformen der Zukunft vor“, begründete Zuckerberg am Dienstag den Zukauf. „Oculus hat die Chance, die sozialste Plattform aller Zeiten zu erschaffen und damit gleichzeitig die Art und Weise zu verändern, wie wir in unserer Gesellschaft arbeiten, spielen und kommunizieren.“

Das junge Unternehmen hatte mit der bisher vor allem für Computerspiele gedachten Datenbrille „Oculus Rift“ für Schlagzeilen gesorgt. Sie könnte nach einer langen Entwicklungszeit eventuell schon im Sommer dieses Jahres erscheinen. Tester und Kritiker loben, man könne damit sehr glaubhaft in virtuelle Welten eintauchen. Die Technik sei allerdings immer noch ziemlich klobig. Die Entwicklung des Gerätes und der Plattform dahinter soll auch unter der Ägide von Facebook weiter vorangetrieben werden.

Die Brille ist bereits seit 2012 in Arbeit. Ihre Erfinder hatten sich damals zunächst 2,4 Millionen Dollar von Internet-Nutzern bei der Online-Plattform Kichstarter beschafft. Inzwischen waren insgesamt mehr als 90 Millionen Dollar in das Unternehmen gesteckt worden.

Facebook hat zudem auch eine große Spiele-Plattform, die von „Oculus Rift“ profitieren könnte. Geschäftsführer Zuckerberg erklärte jedoch, es gebe nocheine ganze Menge weitere Anwendungsmöglichkeiten für solche Datenbrillen über das Spielen hinaus. So könnten sich Sportfans beispielsweise die besten Plätze im Stadion sichern, virutelles Lernen würde verbessert oder Konversationen mit dem Arzt. Man fühle sich „wahrhaft anwesend“.

Zu den Rivalen auf diesem Gebiet gehört der japanische Elektronikriese Sony mit seinem jüngst vorgestellten „Project Morpheus“. Nutzer der Playstation 4 können sich mit dieser Brille in virtuelle Spielewelten einklinken.

Facebook zahlt für Oculus VR 400 Millionen Dollar in bar und etwa 1,6 Milliarden Dollar in eigenen Aktien. Hinzu kommen später bis zu 300 Millionen Dollar, wenn bestimmte Ziele erreicht werden. Der Höhenflug der Facebook-Aktie gibt Zuckerberg eine Akquisitionswährung für Deals in dieser Größenordnung. Die in diesem Februar verkündete Übernahme des Kurznachrichten-Dienstes WhatsApp war insgesamt 19 Milliarden Dollar schwer. Zu den weiteren großen Zukäufen von Facebook gehörte außerdem die Foto-Plattform Instagram.

Der Unternehmenssitz von Oculus VR soll im kalifornischen Irvine beheimatet bleiben – damit nicht in die Firmenzentrale von Facebook nach Menlo Park umziehen. Zuckerberg hatte zuvor auch WhatsApp die größtmögliche Eigenständigkeit zugesichert.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen