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Facebook-Kommentare : #ichbinhier: Nutzer kämpfen gegen Hass im Netz

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Damit Facebooks Kommantarspalten nicht nur voll mit Hassbotschaften sind, wollen andere Nutzer gezielt dagegen kommentieren.

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erstellt am 18.Feb.2017 | 19:00 Uhr

„500 Flüchtlinge stürmen spanische Exklave Ceuta“, berichtet die Tagesschau – und rechnet vielleicht schon damit, mit dem Verbreiten des Artikels bei Facebook ein Sammelbecken für Hasskommentare eröffnet zu haben. Nutzer fordern das Zurückschicken der Geflüchteten oder eine lebenslange Einreisesperre, ebenso eine Verteidigung der europäischen Grenzen mit Waffengewalt: „Wenn diese Kriminellen es erneut versuchen und somit die Souveränität eines Landes verletzen auch mal von der Schusswaffe gebrauch machen!!!“, schreibt ein Nutzer (Rechtschreibfehler im Original).

Was ebenfalls nicht lange auf sich warten lässt: unzählige Nutzer, die Hetzern wie diesem mit sachlichen Kommentaren und Menschlichkeit die Stirn bieten. In der Facebook-Gruppe „#ichbinhier“ formieren sich jene, die sich nicht damit abfinden wollen, dass Hass und Hetze in sozialen Medien schon fast normal geworden sind.

Mitte Dezember gründete der Hamburger Unternehmer Hannes Ley die Facebook-Gruppe nach schwedischem Vorbild. Inzwischen haben sich mehr als 19.000 Menschen den Aktivisten angeschlossen. Sie beobachten die Kommentare im sozialen Netzwerk. Geht es irgendwo heiß her, posten sie Links zu Beiträgen in die geschlossene Gruppe, damit möglichst viele Mitglieder gegen den Hass einschreiten. Das Ziel: mit Fakten und Argumenten, vor allem aber höflich und bestimmt, für eine bessere Diskussionskultur sorgen. Man glaube, „dass Fakten, Mut und Freundlichkeit stärker sind als Gerüchte, Angst und Hass“, erklären die Administratoren. Mitmachen darf jeder – der sich an die Regeln der Gruppe hält.

Die Idee, Hass mit Gegenrede (Counterspeech) zu begegnen, ist nicht neu. Auch Facebook befürwortete bereits vor Jahren, Hate Speech auf diese Art beizukommen. Versuche, Hass und Hetze mit der harten Hand einer Lösch-Truppe zu bekämpfen, brachten dem Netzwerk Kritik ein – zu undurchsichtig die Maßstäbe, was gegen die Gemeinschaftsstandards verstoße.

Die Gemeinschaftsstandards von Facebook & Co sind den Mitgliedern von #ichbinhier ziemlich egal. Es geht nicht um die Spielregeln eines Unternehmens, sondern um viel mehr: um die Wiederkehr gesellschaftlicher Werte auch in hitzige Debatten zu kontroversen Themen und um Meinungsvielfalt. Jene, die mit den Hetzern nicht konform gehen, will man dadurch ermutigen, ihre Meinung zu äußern: Nicht jeder, der im Kommentarbereich unterwegs ist, habe die Absicht, selbst seine Meinung zu schreiben, so Ley gegenüber der Aachener Zeitung. Damit sich die stillen Beobachter eine differenzierte Meinung bilden könnten, müssten sie auch anderes lesen, als nur Negatives.

Mundtot solle niemand gemacht werden, auch nicht die, die der Bewegung nichts abgewinnen können: „Heul doch und ruf deine Trödeltruppe von #ichtrinkbier“ oder „Das sind se wieder die #ichbindoll Affen“, werden die #ichbinhier-Kommentatoren manchmal angegiftet. Die Antworten auf Gegenwind wie diesen fallen – im typischen #ichbinhier-Stil – sachlich aus. Der Einsatz habe nichts mit „wir haben uns alle lieb“ zu tun. „Was ich aber liebe, ist unsere Demokratie und die freie sowie angstfreie Meinungsäußerung“, schreibt ein Mitglied. Oft erreicht die Gegenrede ihr Ziel: „Ich traute mich gar nicht, hier reinzuschauen...“, schreibt eine Nutzerin. Sie hatte schlimmste Hetze erwartet. „Und dann sah ich ihren Beitrag als Ersten... das gibt mir Hoffnung.“

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