zur Navigation springen
Digital

22. September 2017 | 08:23 Uhr

Internet-Hits : Ich teile, also bin ich

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Videos wie „First Kiss“ oder „Supergeil“ verbreiteten sich wie Lauffeuer im Netz / Aber was genau macht Clips zu Internet-Hits?

Um ein Virus zu verbreiten, braucht es heute nur ein Video und ein paar Klicks. Ein Filmchen mit Fremden, die sich zum ersten Mal küssen? Wird schnell bei Twitter empfohlen. Ein Film mit einer Studentin, die auf einem Poetry Slam über das Thema Mut sinniert? Wird – zack – bei Facebook geteilt. Videos mit besonders berührenden oder lustigen Inhalten verbreiten sich im Netz momentan rasend schnell. Wie ein Virus eben. Aber warum eigentlich? „Wir profilieren uns über das, was wir teilen“, erklärt Medienforscher Sebastian Buggert vom Kölner Rheingold-Institut.

„Außerdem ist Teilen einfacher, als selbst etwas zu produzieren.“ Wer ein lustiges Video empfehle, habe nicht selten die Hoffnung, sich selbst als ebenso witzig zu präsentieren. „Sie können ihren Humor darüber ausdrücken“, sagt Buggert. „Oder zeigen: Ich bin findig.“ Etwas gefunden haben im Netz zuletzt so einige: Allein das Werbevideo „First Kiss“, das die Künstlerin Tatia Pilieva gedreht hat, wurde bei YouTube fast 80 Millionen Mal angeklickt. Zehn Fremde küssen sich darin. Wochenlang lief dieser Film in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter hoch und runter.

Zwar lässt sich auf der Videoplattform YoutTube nicht prüfen, wie oft die Inhalte mit anderen geteilt werden. Die hohe Zahl der Aufrufe gibt aber Aufschluss darüber, wie viele Menschen das Video „First Kiss“ angesehen haben. „Häufig läuft das auch über eine prominente Platzierung, für die die Macher sorgen und teils auch bezahlen“, sagt Buggert. Tatsächlich stecken hinter Internet-Hits nicht selten große Konzerne.

Ein Beispiel ist das Video „Supergeil“, in dem der Künstler Friedrich Liechtenstein für Edeka wirbt. Liechtenstein badet darin unter anderem in der Milch des Lebensmittelhändlers und wiederholt mantra-artig, wie „supergeil“ dessen Produkte seien. Warum das so viele Menschen geteilt haben? „Der Witz ist, dass ein älterer Herr noch so eine Performance abliefern kann“, erklärt Medienforscher Buggert.

Doch nicht hinter jedem Internet-Hit steckt ein Unternehmen. Ein Beispiel ist das Video mit der jungen Poetry-Slammerin Julia Engelmann. Der Mitschnitt ihres Auftritts verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Netz und machte sie so bundesweit bekannt.

Ein Patentrezept, um aus einem Video einen Virus zu machen, gebe aber nicht. Generell gelte: „Es muss die Leute ansprechen, sie berühren und auffallen.“

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen