Autonomes Fahren : Handy holt schon mal den Wagen

Autonomes Fahren wird in Zukunft eine große Rolle spielen.
Autonomes Fahren wird in Zukunft eine große Rolle spielen.

Neue Entwicklungsschritte für autonomes Parken: Kfz-Industrie träumt von Parkhäusern ganz ohne Fußgänger.

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09. August 2015, 21:00 Uhr

Es klingt wie ein Traum für Autofahrer, die es bequem lieben: Wer demnächst den neuen Siebener vorfahren lassen möchte, muss nur einen speziellen Schlüssel zücken und den darauf integrierten Touchscreen bedienen. Dann schaltet sich die Luxuslimousine an und rollt aus der Garage. „Unser neues Flaggschiff ist das erste Großserienmodell, das man mit einer Fernbedienung parken kann“, sagt Entwicklungschef Klaus Fröhlich.

Fröhlich feiert das als weiteren Schritt auf dem Weg zum autonomen Fahren. Nach vorherrschender Meinung in der Kfz-Industrie sind es zuerst die Autobahnen und Fernstraßen sowie die Parkhäuser und Tiefgaragen, wo sich autonomes Fahren abspielen wird. „Dort sind die Verkehrssituationen überschaubar und leicht vorherzusehen oder die Geschwindigkeiten so gering, dass man dort problemlos agieren und reagieren kann“, erläutert Daimler-Forschungschef Thomas Weber.

Kürzlich haben zum Beispiel auch Jaguar und Land Rover entsprechende Systeme vorgestellt. Wo man im BMW noch den Zündschlüssel braucht, reicht Wolfgang Ziebart sein Smartphone. Er ist Forschungschef bei den beiden britischen Marken und demonstriert, wie man einen Range Rover Sport per App steuern kann. Egal ob der Geländewagen in eine Parklücke rangiert oder eine knifflige Offroad-Passage bewältigen muss - Ziebart steht neben dem Wagen und braucht nicht mehr als einen Fingerzeig. Wenn im Frühjahr die nächste Generation der E-Klasse von Mercedes an den Start geht, kann man die Limousine als erstes Serienmodell der Welt mit dem Smartphone parken, kündigt Entwicklungsvorstand Thomas Weber an. Dafür installiert man den Remote-Park-Piloten auf seinem Handy, stellt über Bluetooth eine Verbindung zum Fahrzeug her und wählt auf dem Touchscreen das entsprechende Manöver aus. Quer- oder Längsparken auf beiden Straßenseiten, vorwärts oder rückwärts: ein Fingertipp, und die E-Klasse setzt sich in Bewegung, versprechen die Entwickler.

Zwar sind die neuen Parkassistenten eine weitere Erleichterung im Kampf um immer enger werdende Lücken. Doch es bleibt zum Beispiel das Problem der Parkplatzsuche. Auch dafür suchen die Autohersteller nach Lösungen. Mittelfristig sollen Autos sich am besten gleich ganz selbst versorgen: „Wie beim Valetparking lässt man den Wagen an der Zufahrt zum Parkhaus einfach stehen“, beschreibt Mikael Thor das Szenario aus einem Forschungsprojekt von Volvo: „Und während das Auto sich im autonomen Betrieb selbst seinen Stellplatz sucht, sitzt man schon im Restaurant und nippt am Aperitif.“ Auch diese Modelle sind nicht neu und werden etwa bei Volvo in Göteborg, bei BMW in München oder bei Honda in Japan bereits erprobt.„Wenn öffentlicher Verkehr im Parkhaus ausgeschlossen ist, es nur von automatisierten Autos benutzt wird, keine Fußgänger unterwegs sind und es einen digitalen Lageplan sowie eine elektronische Stellplatzinformation gibt, könnte die Technik frühestens ab 2020 umgesetzt werden“, sagt BMW-Sprecherin Silke Brigl.

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