Hacker wollen eine bessere Welt

Auf dem Chaos Communication Congress in Hamburg treffen sich bis Freitag 12  000 Hacker.
1 von 2
Auf dem Chaos Communication Congress in Hamburg treffen sich bis Freitag 12 000 Hacker.

Es wird gelötet und diskutiert: Der europaweit größte Hackerkongress in Hamburg steht unter dem Motto „Works for me“

svz.de von
27. Dezember 2016, 21:00 Uhr

Eine düstere Vision soll den Teilnehmern des größten Hackerkongresses in Europa Mut machen zum Gegensteuern: Der ehemalige US-Air-Force-Techniker Cian Westmoreland berichtet von seinen persönlichen Einblicken in die umstrittene Kriegführung der USA mit Drohnen. „In den nächsten fünf Jahren werden wir autonome Killer-Roboter haben“, sagt der Whistleblower, vielleicht auch „kleine Bienen“, die todbringend umherschwirren.

Jetzt ist der ehemalige Techniker der Air Force zum Pazifisten geworden, trägt auf dem „Chaos Communications Congress“ ein T-Shirt der „Veterans for Peace“. Mit der zunehmenden Technisierung der Kriegführung schwinde das Bewusstsein für persönliche Verantwortung, kritisiert Westmoreland und verweist dabei auf die Philosophin Hannah Arendt. Er führt die Regisseurin Sonia Kennebeck auf die Bühne des Hamburger Kongresszentrums, die zusammen mit Wim Wenders und anderen mit Hilfe von Whistleblowern einen Dokumentarfilm über die Drohnen-Kriegführung gedreht hat: „National Bird“ wird auf der diesjährigen Berlinale gezeigt.

Der Kongress des Chaos Computer Clubs (CCC) steht unter dem Motto „Works for Me“, das von den Hackern kritisch hinterfragt wird: Wenn etwas für mich funktioniert, muss ich mich nicht mehr darum kümmern. „Wenn die Leute Missstände tolerieren, führt dies dazu, dass alle gegeneinander sind“, sagt CCC-Sprecher Linus Neumann. „Wenn wir nicht gemeinsam auf eine bessere Welt hinarbeiten wollen, wird es wieder zu großen Konflikten kommen.“

Und auch hierzulande zeichnen sich Entwicklungen ab, die den Hacker Kopfschmerzen bereiten: Das Ergebnis einer Ausweitung der Videoüberwachung auf Straßen und Plätzen wäre ein großes vernetztes System, das eine Vollüberwachung aller Menschen in der Öffentlichkeit ermöglichen würde, warnte Neumann. In England sei diese Entwicklung mit der Verbindung einzelner Geräte schon jetzt erkennbar. „Dann wäre die Vollüberwachung, die wir im Internet schon haben, auch in der Öffentlichkeit Realität.“

Im CCC-Projekt „Chaos macht Schule“ gehen Computerexperten an die Schulen, um Kinder und Jugendliche dazu anzuleiten, die vorgefundene digitale Welt zwischen Facebook und WhatsApp in Frage zu stellen. Es gehe darum, Dinge, die eigentlich mitgestaltet werden sollten, nicht einfach hinzunehmen, sagt die Hamburgerin Dorina. Nur wenn Kinder dies bereits in der Schule erfahren könnten, seien sie auch in der Lage, später als Bürger ihre Gestaltungsspielräume wahrzunehmen.

Dass dieses sehr unruhige Jahr 2016 auch an der Hackerszene nicht spurlos verübergeht, wird gleich zum Auftakt der Konferenz deutlich. „Dringender als je zuvor, ist es Zeit zu handeln“, sagt „Netzpolitik.org“-Bloggerin Anna Biselli. „Wir können uns nicht unter einer gemütlichen Decke verstecken und warten, bis die Welt von Zauberhand wieder besser wird.“ Aber wie könne der Einzelne etwas ändern? Die gute Nachricht der Hacker ist: „Du bist nicht alleine.“ 12  000 Gleichgesinnte seien auf dem Kongress, mit ihnen gelte es sich zu verbinden, zu vernetzen und aktiv zu werden. „Versucht, das nächste Jahr zu einem besseren zu machen als dieses!“

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen