Onlinehandel : Gleiche Preise für alle Nutzer

Shopping im Internet war noch nie so einfach. Doch Vorsicht: Die Preise sind nicht überall gleich.
Shopping im Internet war noch nie so einfach. Doch Vorsicht: Die Preise sind nicht überall gleich.

Beim Shoppen im Ausland müssen Verbraucher oft mehr zahlen: Die europäische Kommission will das nun ändern

svz.de von
03. November 2015, 21:00 Uhr

Unternehmen sollen Online-Kunden nicht mehr je nach EU-Land grundsätzlich unterschiedliche Preise abverlangen dürfen. Dieses Ziel nennt die europäische Kommission in ihrer in Brüssel vorgestellten Binnenmarktstrategie. Verbraucher sollen demnach grenzüberschreitend die gleichen Einkaufsbedingungen und Lieferkonditionen erhalten. Ausnahmen dürfe es nur bei „objektiven Gründen“ wie unterschiedlichen Mehrwertsteuersätzen oder Lieferkosten geben.

Wie es aus Kommissionskreisen heißt, soll die Praxis enden, dass ein deutscher Kunde etwa beim Onlinekauf für ein Ticket für das Disneyland Paris mehr zahlt als ein belgischer oder französischer Kunde. Die EU-Behörde geht schon länger solchen Beschwerden nach, die Verbraucher häufig „über ungerechtfertigte unterschiedliche Behandlung aufgrund der Nationalität oder des Wohnorts“ in Brüssel einreichten.

Im Online-Handel spielt allerdings nicht nur die Herkunft der Käufer bei einer intransparenten Preisfindung eine Rolle. So weisen Shopping-Apps für Nutzer unterschiedlicher Smartphone-Systeme manchmal verschiedene Preise aus, obwohl beim gleichen Händler bestellt wird. User, die auf ein Werbebanner geklickt haben, bekommen ein anderes Preisschild zu sehen als andere Anwender.

Die EU-Kommission will ihre Gesetzesvorschläge im kommenden Jahr vorlegen. Vizekommissionschef Jyrki Katainen sagte: „Die weitere Stärkung und Vertiefung des europäischen Binnenmarktes ist die wichtigste Komponente der Investitionsoffensive für Europa.“

Teil des Maßnahmenpakets ist auch, dass die Kommission nationale Zugangshürden für freie Berufe abbauen will. 2016 solle der Zugang zu Berufen wie Anwalt, Architekt, Ingenieur und Makler geöffnet werden. Die Behörde will den Staaten Reformen auftragen.

Allerdings betonte die europäische Kommission, dass sie keine Regeln für Berufe aufstellen könne – dies sei allein nationale Sache. In Europa sei der Schutz bestimmter Berufsgruppen in den Ländern ganz unterschiedlich. So gebe es für Friseure und Kosmetiker in manchen Ländern überhaupt keine Vorgaben für den Berufszugang, in anderen seien drei Jahre Berufsschule vorgeschrieben. Damit Berufstätige in verschiedenen EU-Ländern leichter arbeiten können, will die Kommission einen „Dienstleistungsausweis“ einführen, der Dokumente und Informationen enthält, damit nicht in jedem Land erneut Formulare ausgefüllt werden müssen.

Aus Deutschland kam Kritik. Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) wertet den Vorstoß „als Frontalangriff auf deutsche Berufs- und Qualitätsstandards, der gerade in so sensiblen Bereichen wie den Heilberufen negative Auswirkungen haben kann“. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) erklärte, Deutschland werde auf eine „ausgewogene Balance der Vorschläge“ drängen: „Notwendige nationale Regelungen, etwa zur Qualitätssicherung, dürfen nicht in Frage gestellt werden.“

Die Kommission versuchte, Sorgen zu zerstreuen. Brüssel wolle weder die duale Ausbildung noch die Handwerksordnung antasten: „Geltende Standards und Qualität werden nicht herabgesetzt.“

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