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Trends der Spielwarenmesse 2017 : „Girl Power“ in Pink und Lila

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Mädchen sollen stark, selbstbewusst und unabhängig sein. Die Spielwarenindustrie möchte das fördern.

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erstellt am 30.Jan.2017 | 07:55 Uhr

Nürnberg | Konstruktionsspielzeug, eine appgesteuerte Puppe und Pfeil und Bogen: Einer der Spielzeug-Trends auf der diesjährigen Spielwarenmesse in Nürnberg nennt sich „Girl Power“. Immer mehr Spielzeug flutet den Markt, das Mädchen dabei helfen soll, stark, selbstbewusst und unabhängig zu werden. Spielerisch sollen Mädchen lernen, sich auch für den mathematischen, naturwissenschaftlichen und technologischen Bereich zu begeistern. Das alles klingt nett gemeint und wird sich sicher auch verkaufen. Doch zwei Punkte stören:

Warum muss das Gender-Design hier in voller Grausamkeit zuschlagen? Warum müssen die Konstruktionsbausteine pink und lila sein? Warum ist der Spielzeug-Bogen der taffen Heldin Katniss aus der Filmreihe „Tribute von Panem“ lila und pink? Der Bogen von Katniss ist nicht lila und nicht pink. Und warum müssen Mädchen erste Programmierkenntnisse ausgerechnet an einer Barbie auf einem pinken Segway lernen?

Diese Farbstereotype nerven und werden immer dominanter. „Pinkifizierung“ heißt das in der Wissenschaft und lässt sich in der Werbung, dem Kinderzimmer und jedem Spielzeugladen beobachten. Frauen waren noch nie so gleichberechtigt wie heute und doch wird Spielzeug so geschlechtsspezifisch wie möglich gemacht – sogar beim Thema „Girl Power“, wo es ja eigentlich um „Jungs-Spielzeug“ geht, wenn wir mal beim Gendern bleiben. Am Ende trennt die Industrie die Geschlechter auch hier und suggeriert fadenscheinige Gleichberechtigung.

Über „Girl Power“ heißt es auf der Homepage der Messe: „Ärztin, Künstlerin, Ingenieurin – nichts ist mehr unmöglich.“ Als wären die 50er Jahre erst gestern zu Ende gegangen, entdeckt die Industrie in ihrer Gier, dass Mädchen vielleicht noch andere Interessen haben könnten als Puppen und Schminken. Wo ist das blaue Frisierset für Jungs wo draufsteht: „Friseur werden – nichts ist mehr unmöglich“?

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