Cybermobbing hat viele Facetten : Gemeinheiten per Whatsapp

Per Whatsapp werden häufig Bilder und Texte verschickt, um andere bloßzustellen.
Per Whatsapp werden häufig Bilder und Texte verschickt, um andere bloßzustellen.

Intime Bilder an die Smartphones der Mitschüler schicken, Beschimpfungen auf Facebook posten

svz.de von
19. Juni 2016, 21:00 Uhr

Um ihrem Freund zu gefallen, schickt ihm die 14-jährige Sophie (Name geändert) Bilder von sich mit nacktem Oberkörper. Nach der Trennung gibt er sie per Whatsapp an gemeinsame Mitschüler weiter. Sophie habe sich damals selbst die Schuld gegeben, erzählt Birgit Kimmel von der Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) Rheinland-Pfalz. Sie habe sich gedacht: „Ich hab's ja selbst weitergeschickt“. Die 14-Jährige schämte sich zu sehr, um sich Hilfe zu holen.

Cybermobbing sei ein bundesweites Phänomen und durchaus keines, das sich auf Großstädte beschränke, sagt Maria Große Perdekamp von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (BKE) in Nürnberg. Und weil Smartphones inzwischen bei fast allen Jugendlichen Standard seien, sei das Problem eher noch größer geworden. Hinzu kommt, dass das Alter der Kinder, die Smartphones nutzen, sinke, sagt Große Perdekamp, die bei der BKE die Onlineberatung leitet.

Kinder und Jugendliche mit Hilfe von Whatsapp, Snapchat, Twitter, Facebook und Co. bloßzustellen, ist mittlerweile Alltag. Andere würden beleidigt, ausgrenzt oder bedroht, ergänzt Katja Waligora von der schulpsychologischen Beratung des Pädagogischen Landesinstituts Rheinland-Pfalz in Bad Kreuznach. Studien zufolge sind etwa 15 bis 30 Prozent der Schüler betroffen. Weil im digitalen Raum der direkte Kontakt zwischen Tätern und Opfern fehle, sinke die Hemmschwelle, sagt Waligora. Doch Mobbing, egal in welcher Variante, hinterlasse psychische Spuren.

Gefühle von Ausgrenzung gehörten dazu, bis hin zu Depressionen, Bauchschmerzen, Schlafstörungen, Selbstverletzung und Suizid, erklärt Susanne Rödiger. Sie ist die medienpädagogische Projektmanagerin der Selbstschutzplattform juuuport mit Sitz in Hannover, über die sich junge Menschen zu Themen rund ums Internet anonym beraten lassen können.

Einer der ehrenamtlichen juuuport-Helfer ist der 17-jährige Schüler Jonas Hotze. Er findet vor allem die Reichweite erschreckend. „Alle sehen es. Und der Betroffene wird wahrscheinlich in der Schule darauf angesprochen“, sagt er.

Bei Anfragen versucht Hotze, Ratschläge zu geben und vor allem, den Betroffenen Mut zu machen. In fast allen Fällen geht dem Online-Mobbing Offline-Mobbing voraus.

Gegen das Cybermobbing vorzugehen, sei eine der Pflichten der Schulen - der sie allerdings nicht ausreichend nachkämen, kritisiert Kimmel.„Menschenbildung“ und das Erlernen von Mitgefühl sei in der Schule „nicht mehr so das Thema“. Der Fokus liege auf Informationsvermittlung.

Dieses Versäumnis beginne schon bei der Ausbildung von Lehrern. Sie seien bei Mobbing in ihren Klassen dann oftmals schlicht überfordert, meint Kimmel. Dabei müsste präventive Arbeit bereits in der Grundschule anfangen. Vor allem müsse den Lehrern bei Interventionen und der Suche nach Lösungen klar sein: „Schnell geht nicht“.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen