Sexting : Für immer nackt im Netz

Mit dem Smartphone ist es schnell verschickt, das Nacktbild.
Mit dem Smartphone ist es schnell verschickt, das Nacktbild.

Viele Jugendliche verschicken per Handy Nacktbilder von sich / Jahre später drohen unangenehme Konsequenzen

svz.de von
10. November 2014, 07:45 Uhr

Sie war verliebt und wollte ihrem Schwarm imponieren: Doch das Oben-ohne-Foto, das die 13-jährige Hope aus Florida einem Jungen schickte, landete in den Händen eines anderen Mädchens und wurde von diesem an Bekannte weitergeschickt. Eine Kettenreaktion, die Hope zur Zielscheibe von extremem Cybermobbing machte. Und sie in den Selbstmord trieb. Hope erhängte sich.

Ein extremes Beispiel – doch mittlerweile verschicken Jugendliche beim sogenannten Sexting nicht nur erotische Nachrichten per SMS, sondern auch Nacktselfies. „Schon immer haben Paare sich intime Fotos geschenkt“, sagt Harald Schmidt von der Kriminalprävention des Bundes und der Länder in Stuttgart. „Früher hatte man allerdings die Negative zu Hause in der Schublade, heute landet jedes Foto per Klick auf irgendwelchen internationalen Servern oder wird, wenn es dumm läuft, in den sozialen Medien weiterverbreitet.“ Was die wenigsten wissen: Wer ein Bild über WhatsApp verschickt, tritt seine Nutzungs- und Bildrechte automatisch an den Anbieter ab. So steht es in den AGBs.

„Was im Internet landet, bleibt im Internet: Das ist eine Regel, die jedes Kind kennen sollte“, sagt Medienpädagogin Olivia Förster vom Verein Blickwechsel in Hamburg. Jugendliche sind sehr offen und nutzen die technischen Möglichkeiten mit einer großen Naivität.

Fast selbstverständlich sei es dabei schon, dem festen Freund oder der festen Freundin Nackt- oder sogar Selbstbefriedigungsbilder zu schicken. „Das gilt als großer Vertrauensbeweis“, sagt Medienexperte Laurent Sédano von der Stiftung Pro Juventute aus Zürich. Leider würden die Jugendlichen nicht daran denken, dass so eine Beziehung irgendwann mal vorbei sein kann. Harald Schmidt nennt konkrete Risiken: „Nacktbilder können Jugendlichen auch noch viele Jahre später Probleme machen, zum Beispiel bei Bewerbungen.“ Fatal, wenn der Arbeitgeber nach dem Namen googelt und dann auf die Aufnahmen stößt. Werden die Bilder der Kinderpornografie zugerechnet, zeigen sie also Geschlechtsorgane oder eindeutige Handlungen von Personen unter 14 Jahren, kann sich jeder, der die Bilder weiterleitet, strafbar machen. „Wichtig ist es, per Screenshot Beweise zu sammeln: Wer hat die Bilder wann und an wen weitergeleitet?“, sagt Schmidt. Mittels Anzeige und Strafbefehl könne dann der Anbieter gezwungen werden, die belastenden Fotos vom Server zu löschen.

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