Windows 10 : „Freies Upgrade war ein Fehler“

Die Einführung von Windows 10 sollte dem schwächelnden PC-Markt helfen.
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Die Einführung von Windows 10 sollte dem schwächelnden PC-Markt helfen.

Lenovo-Chef Yang Yuanqing im Interview: Kostenloses Windows 10 schlecht für Nutzer und Branche / Gutes System, aber keine Impulse

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21. Januar 2016, 20:45 Uhr

Im vergangenen Sommer hat Microsoft sein neues Betriebssystem Windows 10 auf den Markt gebracht – und damit auch großzügig Nutzer von Vorgängerversionen versorgt. Beim Chef des weltgrößten PC-Herstellers Lenovo, Yang Yuanqing (kleines Foto), stößt das kostenlose Upgrade auf wenig Gegenliebe. In einem Interview mit Christoph Dernbach erläutert er, wie Lenovo in einem schrumpfenden Umfeld trotzdem wachsen will.

Hat der Start von Windows 10 geholfen, den schwierigen PC-Markt wiederzubeleben?

Yang Yuanqing: Nun, die Zahlen kennen Sie ja. Windows 10 konnte kein Wachstum im PC-Markt auslösen. Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Windows 10 ist ein wirklich gutes System. Ich glaube allerdings nicht, dass die Upgrade-Politik von Microsoft richtig war. Das neue System hätte vor allem mit neuen Geräten eingeführt werden sollen, die optimal auf das neue Windows abgestimmt sind. Das beschert den Kunden dann auch ein Erlebnis, mit dem sie zufrieden sind. Wenn man das neue System dagegen auf ältere Maschinen installiert, stellt sich diese gute Erfahrung nicht ein, ganz im Gegenteil: Häufig tauchen Probleme auf.

Wie will Lenovo in diesem schwierigen Umfeld seine ehrgeizigen Wachstumsziele erfüllen?

Wir verfolgen zwei Ansätze: Zum einen findet im PC-Markt eine Konsolidierung statt. Manche Hersteller geben auf und steigen aus. Wenn man bei einem Laptop einen abnehmbaren Bildschirm einsetzt, den man auch solo als Tablet Computer verwenden kann, befindet man sich als Hersteller in einem Marktsegment, das weiterhin wächst. Diese Produktkategorie haben wir schon vor über einem Jahr eingeführt und sind deshalb sehr zuversichtlich. Zum anderen ist Lenovo keine reine PC-Company mehr, sondern ist auch mit Smartphones sowie Servern und Speichersystemen erfolgreich.

Lenovo kam in den vergangenen Monaten in die Kritik, weil auf Laptops Software gefunden wurde, die Experten als unsicher einstuften.

Wir haben dieses Problem schon vor einiger Zeit gelöst. Es war ein Fehler von uns, das räume ich gerne ein. Aber wir haben diese Software inzwischen gesäubert. Und wir haben uns deutlich dazu verpflichtet, in Zukunft keine Software mit Sicherheitslücken mehr zu installieren. Wir wollen unseren Kunden PCs liefern, die sauber und sicher sind.

Ist es überhaupt sinnvoll, zusätzliche Lenovo-Software auf einem Rechner zu installieren? Wären die Kunden nicht besser mit einem unveränderten System von Microsoft bedient?

Definitiv können wir unseren Kunden mit Lenovo-Software einen Mehrwert bieten. Sie muss aber sehr sorgfältig getestet sein. In der Vergangenheit haben sich unsere Ingenieure vor allem darauf fokussiert, dass die Software gute Funktionen hat – und weniger darum gekümmert, dass sie auch sicher ist. Wir haben aber schon vor über einem Jahr die klare Anweisung an unsere Software-Entwickler gegeben, sich um beide Aspekte gleichrangig zu kümmern.

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