Blick in die Arbeitswelt : Frauen noch rar in der IT-Branche

Die IT-Branche ist noch immer eine Männerdomäne.
Die IT-Branche ist noch immer eine Männerdomäne.

Facebook, Yahoo, Youtube und nun auch Microsoft setzen Managerinnen ins Chefbüro, doch insgesamt herrscht Frauenmangel

svz.de von
08. November 2015, 21:00 Uhr

Was lassen sich die großen Tech-Unternehmen in den USA nicht alles einfallen, um ihren Mitarbeiterinnen eine steile Karriere zu erleichtern. Facebook und Apple bezahlen das Einfrieren von Eizellen. IBM übernimmt den Transport abgepumpter Muttermilch zum Nachwuchs, wenn die Mutter dienstlich unterwegs ist. Zwar gibt es in einigen Chefetagen mächtige Vorzeigefrauen wie Sheryl Sandberg (Facebook)oder Susan Wojcicki (YouTube) doch das Silicon Valley ist nach wie vor eine Domäne weißer Männer – in Deutschland sieht es nicht besser aus.

Nach Angaben des Branchenverbandes Bitkom beträgt der Frauenanteil in der deutschen Technologiebranche 15 Prozent. Beim Nachwuchs sind die Männer ebenfalls in der Mehrheit. Etwas ausgewogener ist es beim Informatik-Studium: Im Wintersemester 2014/2015 waren immerhin 23 Prozent der Studienanfänger weiblich.

In Berlin und Bremen gibt es sogar Informatik-Studiengänge nur für Frauen, um diese mehr für IT-Berufe zu begeistern. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass an Mädchenschulen ein größeres technisches Selbstbewusstsein entwickelt wird“, erklärt Professorin Gerlinde Schreiber von der Hochschule Bremen. „Bei uns kann man alles fragen und man muss keine Angst haben, sich zu blamieren.“

Frauen schätzten ihre technische Kompetenz oft defensiver ein als Männer. Sie seien zurückhaltender in der Selbstdarstellung und hätten leichter Zweifel. Es sei für viele „unsexy“, als junge Frau gut in Physik und Informatik zu sein. Das passe nicht zu der Geschlechterwahrnehmung, erklärt sie. „Es sind einfach Männerdisziplinen.“

Umso wichtiger sei es, dass Frauen wie Sandberg (49) und Mayer (40) als Vorbilder fungieren. „Das ist ein tolles Signal“. Die Frauen könnten erfolgreich Karriere machen und verkörperten dennoch Weiblichkeit.

Auch in der hiesigen Tech-Branche gibt es Erfolgsbeispiele. Martina Koederitz lenkt seit vier Jahren die Geschäfte von IBM in Deutschland. Das Unternehmen schreibt sich auf die Fahne, den Anteil der weiblichen Führungskräfte zu erhöhen.

„Wir wollen eine positivere gesellschaftliche Diskussion und Akzeptanz zu dem Thema erzeugen“, erklärt Koederitz. „Die Basis an Frauen ist vor allem in technisch orientierten Berufen zu gering.“

Nach Einschätzung von Informatik-Professorin Schreiber setzt bei vielen Konzernen ein Umdenken ein: „Der Bedarf nach Fachleuten ist groß und viele Firmen merken inzwischen, dass gemischte Teams besser funktionieren.“ Zudem würden immer mehr IT-Produkte für weibliche Nutzer produziert. „Tausende Apps wenden sich an junge Frauen, warum sollen sie dann nicht von ihnen entwickelt werden.“

Und welches Detail man nicht vergessen sollte: Bereits die Anfänge der Branche waren weiblich geprägt. So gilt die Mathematikerin Ada Lovelace (1815-1852) als erste Programmiererin weltweit. Bereits 100 Jahre vor der Erfindung des Computers verfasste die Tochter eines berühmten romantischen Dichters eine Schrift, die heute als das erste Programm der Computergeschichte bezeichnet wird.

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