Moderne Technik im Auto : Flimmern, Fummeln, Fiepen

<p>Die Zukunft des Cockpits besteht aus wenig Knöpfen und vielen Displays. </p>

Die Zukunft des Cockpits besteht aus wenig Knöpfen und vielen Displays.

Neue Bildschirme, sensible Tasten und für jede Funktion ein Sound: Die Bedienung des Autos wird zum Rausch der Sinne

svz.de von
22. September 2015, 21:00 Uhr

Getrieben von der Consumer Elektronik und den Smartphones kämpfen die Fahrzeughersteller um Anschluss bei ihren Anzeige- und Bedienkonzepten. Seitdem Telefone und Tablet-Computer mit zwei, drei Tasten bedienen kann, ist Entwicklern jeder Knopf im Auto ein Dorn im Auge. Und seitdem  Fernseher immer schärfere Bilder anzeigen, können die Displays im Wagen gar nicht hoch genug aufgelöst sein.

Neben Oberflächen, die auf Annäherung oder Berührung reagieren, setzen die Hersteller dabei auf sogenannte OLED-Anzeigen. Weil sie von sich aus leuchten, müssen die Anzeigen nicht mehr von hinten angestrahlt werden. Deshalb werden die Displays immer dünner, erläutert Audi-Projektleiter Stefan Blümel. Zwar hat er beim e-tron quattro den Bogen bewusst ein wenig überspannt. Beim Serienauto wird es deshalb wohl doch noch ein paar mehr Schalter geben als den Taster für den Warnblinker, der als einziges vom Gesetzgeber klar vorgeschrieben ist. „Doch viele Details wie Kameras als virtuelle Außenspiegel mit Displays in den Türverkleidungen   sind für die Serie gesetzt“, sagt Blümel.

Das behauptet auch Holger Hutzenlaub aus dem Designteam von Mercedes. Er  versucht, den Blick von der Transformer-Karosserie mit ausfahrbaren Anbauteilen in den Innenraum zu lenken. Dort sieht man fast mystisch beleuchtete Luftausströmer aus Swarovski-Glas, zwei beinahe nahtlos verschmolzene Riesen-Displays anstelle der Instrumente und einen gebogenen Touchscreen auf dem Mitteltunnel, mit dem man Klima und Co steuert. Der Clou allerdings sind die OFN-Tasten für die Optical Finger Navigation, wie man sie etwa vom Blackberry kennt. „So kann man sich mit dem Daumen wie auf einem Mini-Touchscreen durch die Menüs bewegen und braucht kaum mehr andere Knöpfe am Lenkrad.“ Ob und wie das funktioniert, werden die Mercedes-Kunden bald selbst ausprobieren können - ab dem nächsten Jahr in der Neuauflage der E-Klasse.

Ganz so schnell wird es bei Porsche nicht gehen. Der Stuttgarter Hersteller versucht der Informationsflut im Cockpit unter anderem mit holografischen Darstellungen auf den ebenfalls mit OLED-Technik beleuchteten Oberflächen Herr zu werden. Außerdem folgen die Anzeigen immer der Blickrichtung des Fahrers, sodass man zum Beispiel die aktuelle Geschwindigkeit nie aus den Augen verliert, teilt der Hersteller mit.

Wo die deutschen Hersteller vor allem an Augen und Hände denken, nutzt man  bei Peugeot einen anderen Sinn: das Gehör. Wo es bislang nur vergleichsweise simple Warntöne gab, haben die Franzosen  mit einem Tonkünstler eigens ein Dutzend Klangfolgen komponiert, die bestimmte Kommandos quittieren. Wer das Jingle für die Scheinwerfer gehört hat, braucht keine Kontrollleuchte mehr.

Wie so oft werden viele Innovationen nach der sogenannten Top-Down-Strategie zunächst in den teuren Modellen kommen, bevor sie für eine breite Masse verfügbar sind. Aber das muss nicht so sein - sagen sie zumindest beim Zulieferer ZF. Der hat im visionären Kleinwagen Advanced Urban Vehicle  das womöglich kleinste und billigste Head-Up-Display eingebaut: Kaum größer als eine Briefmarke, prangt auf der Zwölf-Uhr-Position im Lenkrad ein Mini-Monitor, auf dem wichtige Informationen  angezeigt werden. Das ist nicht nur näher an der Serie als holografische Projektionen  oder  gebogenen OLED-Anzeigen, sondern es ist vor allem für jedermann bezahlbar, sagt Gerhard Gumpoltsberger aus der ZF-Forschung: „Es ergibt keinen Sinn, wenn die Instrumente mehr kosten als das ganze Cockpit.“

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