Faceglória : Facebook ohne Sünden

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Küssen verboten: Brasilianer gründen evangelikales soziales Netzwerk Faceglória / Bereits 60 000 Nutzer angemeldet

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06. August 2015, 08:00 Uhr

Jede Form von Erotik ist auf den Seiten des neuen evangelikalen Social-Media-Angebots tabu. Auch Fotos, die Nutzer beim Trinken von Alkohol oder beim Rauchen zeigen, sind nicht erlaubt. „Faceglória will Jugendliche zurück zu ihren Werten, in den Schoß der Familie bringen“, sagt Átilla Barros, einer der Gründer. „Wir wollen einen sauberen Raum im World Wide Web schaffen.“ Bislang gibt es Faceglória auf Portugiesisch, Spanisch und Englisch.

Laut Barros hat Faceglória im ersten Monat des Bestehens bereits 60 000 Nutzer gewonnen. Diese tauschen sich vor allem über religiöse Inhalte aus. Auf den ersten Blick sieht die „moralisch einwandfreie“ Community-Plattform wie eine Mischung aus Facebook und Twitter aus. Stars und Sternchen der Gospel-Szene machen auf der Seite Werbung. Die Nutzer können Profile anlegen, Fotos und Videos hochladen.

Viele posten Termine von Gottesdiensten, Bibelstunden und Gospelkonzerten oder Fotos von Massenhochzeiten, die in der evangelikalen Szene beliebt sind. Den „Like“-Button gibt es nicht, dafür können die User ein „Amen“ spenden.

Die Beiträge unterliegen einer strengen Kontrolle, die Betreiber können Unliebsames entfernen. Bilder im Bikini am Strand oder stillende Mütter sind laut Barros okay. „Gott hat die Natur und den Strand erschaffen“, argumentiert er. Aber Umarmungen von schwulen oder lesbischen Paaren gingen auf keinen Fall, sagt er – und fügt schnell hinzu, dass Homosexuelle als User aber willkommen seien. Den Vorwurf der Homophobie will er sich nicht gefallen lassen.

Während die katholische Kirche Anhänger verliert, wachsen in Brasilien die evangelikalen Pfingst-Bewegungen beständig. Mehr als 22 Prozent der Brasilianer und damit rund 40 Millionen Menschen geben an, evangelikal zu sein. Hinter der Bewegung steht eine ökonomische und politische Macht. Im Kongress gehört die konservative religiöse Fraktion zu den stärksten. Einer ihrer mächtigsten Vertreter ist der aktuelle Präsident des Abgeordnetenhauses, Eduardo Cunha, der einen „Tag des heterosexuellen Stolzes“ ausrufen will.

„Die Fraktion der Evangelikalen steht für den konservativsten und intolerantesten Teil der Gesellschaft“, sagt der Anthropologe Ronaldo Almeida von der Staatlichen Universität Campinas Unicamp. Die Abgeordneten wollen die Homo-Ehe wieder abschaffen, sind gegen eine Liberalisierung des Abtreibungsrechts und propagieren die „Heilung“ von Homosexuellen. Die Intoleranz führe oftmals zum Hass all derjenigen, die anders denken und leben, so wie Homosexuelle oder Menschen mit anderen Religionen, sagt Almeida. Den großen Zulauf sieht er in dem Versprechen der evangelikalen Kirchen nach einem besseren Leben im Hier und Jetzt begründet.

Der Valentinstag ist in Brasilien eine Art Nationalfeiertag für alle verliebten Paare. Faceglória-Gründer Barros erzählt, dass ihm die Idee für sein soziales Netzwerk an solch einem Valentinstag gekommen sei. Er habe es falsch gefunden, dass auch homosexuelle Paare an diesem Tag Geschenke austauschten und sogar in den Medien beim Umarmen oder Küssen gezeigt wurden. Im Juni ging die Internetseite dann offiziell online.

Barros und die Betreiber von Faceglória glauben an die schier unermesslichen Möglichkeiten ihrer moralischen Internetmission. Die arabische Welt hat es vorgemacht: 2013 ging Ummaland, eine muslimische Version von Facebook, an den Start. Bis heute meldeten sich mehr als etwa 300 000 junge Gläubige an. Barros hat schon weitere Pläne. Als nächstes plant er ein evangelikales Dating-Portal ähnlich wie die Flirt-App Tinder, um junge Gläubige miteinander zu verbinden.

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