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Digital

13. Dezember 2017 | 21:52 Uhr

Neuer Trend : Escape Games

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Eine Gruppe, ein Raum, ein Rätsel und eine Stunde Zeit

Das Urteil: Knast, lebenslänglich. Flucht? Eine Option. 60 Minuten Zeit, um dem Leben hinter Gittern zu entkommen.

Mirko Oberhof (29) und Yannic Zotzmann (24) wollen es probieren. Klar ist: Das wird kein Spaziergang - Kopfarbeit, nicht Muskelkraft ist gefragt. Die beiden Männer sind gefangen im „Big Break Hamburg“.

Das „Big Break“ gehört zu einem Trend, der seit einem guten Jahr ganz Deutschland erfasst hat. Jede Großstadt hat mittlerweile sogenannte „Escape Games“, auch „Exit Games“ oder „Room Escapes“ genannt. Das Prinzip ist einfach: eine Gruppe, ein Raum, ein Rätsel und eine Stunde Zeit. Mal müssen Hinweise auf den Verbleib einer Entführten gefunden, mal eine Bombe entschärft und mal ein Gefängnisausbruch durchgezogen werden.

Ein Spielleiter überwacht den Raum per Kamera und hilft gegebenenfalls mit Tipps.

Aber warum sind diese „Exit Games“ so beliebt? Sind die Menschen beim Blick aufs TV-Programm und die Bestseller-Listen nicht längst krimigesättigt? Selbst bei Stadtführungen fehlt der Bezug aufs Kriminalistische nicht mehr. „Die Ungewissheit reizt enorm“, glaubt Philip Kirchhof (27), der das „Big Break“ mit seiner Freundin Caroline Murawski (28) führt. Adrenalin und Zeitdruck kämen hinzu.

>> Eine Übersicht über Escape-Games finden Sie hier!

Auch wichtig: Der Abstand vom digitalen Alltag, darauf legen alle Anbieter Wert. „Wir hängen ständig an Rechner und Smartphone. In dieser Stunde wird alles Digitale zur Seite gelegt“, sagt Christopher Mensah-Bonsu (31) vom Hamburger „Team Escape“. Eine Art digitaler Alltagsflucht, also, das Rätselraten.

Dabei kommen die „Exit Games“ ironischerweise selbst aus der Pixelwelt, Vorbild sind Computer-Actionspiele wie „Monkey Island“ oder „Day of the Tentacel“ aus den 90ern. Das erste “Live Escape Game“ wurde 2006 von Programmierern im Silicon Valley gebaut.

„Die ganze Welt ist voll von Krimis“, sagt Nils Zurawski. Der 47-jährige Soziologe nennt weitere Gründe für die Popularität der Krimi-Spiele. Es geht darum, Ordnung in eine chaotische Welt zu bringen. „Krimis haben immer eine Lösung, jede Verschwörung wird aufgelöst - alles andere macht den Zuschauer wuschig.“ Der Verzicht aufs Digitale und die Aufmachung der „Escape Rooms“ kämen hinzu, sagt Zurawski. Viele Räume sähen nach einer Zeit zwischen Sherlock Holmes und Edgar Wallace aus - eine andere, vielleicht übersichtlichere Zeit? Das gemeinsame Erlebnis erzeuge zudem ein Gruppengefühl, das vielen Menschen fehle.

Den beiden Bochumern Oberhof und Zotzmann, die das „Big Break“ für ihr Online-Portal „Cool Places“ testen, gelingt die Flucht - aber knapp wird es doch. „Das ist wie im Kino - nur dass man selbst mitspielt“, sagt Oberhof. „Egal, wie cool man ist: Das zieht dich in einen Tunnel und du wirst total gepackt.“

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