Computer für wenig Geld : Ein Rechner von der „PC-Tafel“

Die Computer-Tafel repariert alte Rechner und gibt armen Menschen für wenig Geld einen geprüften und gereinigten PC.
Die Computer-Tafel repariert alte Rechner und gibt armen Menschen für wenig Geld einen geprüften und gereinigten PC.

Wie kommen Menschen mit wenig Geld an einen Computer? Die „PC-Tafel“ vergibt für zwei Euro im Monat ein Gerät.

svz.de von
09. März 2016, 21:00 Uhr

Michael Kunz schaut auf die Rechner, die sich bis unter die Decke des Kellerraums stapeln. Es sind mehrere Hundert. Noch stehen sie bei der PC-Tafel in Neustadt an der Weinstraße, aber bald sollen sie Menschen mit wenig Geld zu neuen Chancen verhelfen. Zum Beispiel Flüchtlingen, die Deutsch lernen wollen, oder Hartz-IV-Empfängern, die einen Job suchen.

„Die Welt ist heutzutage so digitalisiert - Sie können ja keine Bewerbung mehr so abgeben, es verlangen ja alle eine E-Mail“, sagt Kunz. Damit auch Bedürftige am digitalen Leben teilhaben können, hat er den Verein PC-Tafel initiiert. Hier bekommen Menschen für zwei Euro im Monat einen Rechner inklusive Support - nach Kunz’ Angaben ist das Projekt in seiner Form einzigartig.

Wer ein Gerät möchte, muss - zum Beispiel anhand eines Renten- oder ALG-II-Bescheids seine Bedürftigkeit nachweisen. Das ist die Voraussetzung für eine Mitgliedschaft im Verein. Dafür erhalten Mitglieder den Rechner, der vorher überprüft und gegebenenfalls repariert wird.

Auch Flüchtlinge sollen von dem Angebot profitieren. So seien von den Rechnern im Keller des PC-Tafel-Gebäudes etwa 200 für die Flüchtlingshilfe. Sie würden mit arabischer Sprache aufgesetzt, damit Nutzer ohne Deutsch- oder Englischkenntnisse ihre Programme aufrufen könnten.

Nach einem ähnlichen Prinzip wie die PC-Tafel arbeitet der Verein Computer Spende Hamburg. Hier bekommen Menschen mit wenig Geld einen geprüften und gereinigten Rechner, wenn sie die Bedürftigkeit nachgewiesen und zehn Euro Bearbeitungsgebühr bezahlt haben. Der Verein hat laut Vorstand Horst Matzen bundesweit knapp 2500 Rechner abgegeben.

Wie die PC-Tafel nimmt er gespendete Geräte an. Die Rechner stammen überwiegend von Privatleuten. Damit keine sensiblen oder gar illegale Daten wie Kinderpornografie in Umlauf gelangen, werden die Festplatten gelöscht. Ehrenamtliche Helfer prüfen, ob die Spenden noch funktionieren oder zum Recycling müssen. Kunz schätzt die Verteilung auf 50:50. „Wir kriegen überraschend viel sehr gutes Material“, sagt er. Neben Raritäten seien auch fast neue Computer dabei, sagt der ehemalige Krankenpfleger Klaus Jagusch (60), der fast täglich zum Helfen vorbeikommt. „Die Hauptarbeit machen ehrenamtliche Helfer“, so Kunz.

Und wer sind die Bedürftigen? „Die kommen aus allen Schichten“, sagt Kunz. Sie seien meist unverschuldet arbeitslos und dann zu Hartz-IV-Empfängern geworden.

Für das Angebot des Vereins sieht Kunz einen riesigen Bedarf. „Wir werden gebraucht“, sagt er. „Wir müssen bundesweit expandieren.“ Die PC-Tafel hat bereits eine Filiale in Ludwigshafen, bis Ende 2016 soll es in der Pfalz und im Saarland sechs bis acht Standorte geben, zudem sollen 30 bis 35 Stellen geschaffen werden.

Bislang aber fehlt das Geld. Kunz hat nach eigenen Worten seit dem Start vor vier Jahren aus eigener Tasche einen sechsstelligen Betrag in das Projekt gesteckt, das ohne öffentliche Zuschüsse auskomme. „Irgendwann ist das Budget dann auch mal aufgebraucht.“ Nun hofft er auf Förderung durch die Politik sowie auf Wirtschaft und Privatleute und wirbt um Spenden.

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