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Spiele-App von Nitendo : Ein Land im Pokémon-Fieber

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Hype um Jagd nach virtuellen Monstern in Amerika lässt App-Entwickler jubeln – ruft aber auch Kriminelle auf den Plan

svz.de von
erstellt am 11.Jul.2016 | 21:00 Uhr

Amerika ist im Pokémon-Fieber. Ob im New Yorker Central Park oder in den Straßen von San Francisco – überall laufen Leute mit Smartphones in der Hand herum und versuchen, die kleinen Taschen-Monster einzufangen. Der Clou an der App: Die Pokémon-Figuren werden bei eingeschalteter Kamera auf dem Bildschirm in die echte Umgebung eingeblendet.

Auch Erwachsene freuen sich über Punkte.

Auch Erwachsene freuen sich über Punkte.

Foto: dpa

In den USA wurde „Pokémon Go“ nach einem Tag nach Berechnungen von Experten auf etwa jedes 20. Android-Handy geladen. Und im iTunes-Store führt die App die Liste der kostenlosen Programme vor Snapchat und anderen App-Hits an. Die Entwickler – Nintendos Pokémon Company und die ehemalige Google-Tochter Niantic Labs – wurden von dem Ansturm überrannt. Die weltweite Markteinführung wurde abgebremst, um die Server zu schonen. Bisher ist das Spiel offiziell nur in den USA, Neuseeland und Australien verfügbar. Außerhalb der drei Länder kann man das Spiel nur über Tricks laden. Hacker nutzten das bereits, um Schadsoftware, die sich als „Pokémon Go“ tarnt, im Netz zu platzieren. Sie könne komplett die Kontrolle über ein Smartphone übernehmen, wie die IT-Sicherheitsfirma Proofpoint warnte.

Da das Spiel in Deutschland noch nicht erhältlich ist, kann man leicht in einer Betrugsfalle tappen, wenn man es sich herunterläd. Laut Computermagazin Heise kursieren bereist Dateien mit Trojanern an Bord. Daher bietet das Magazin einen sicheren Download auf der Seite an.

Außerdem reicht der Po-kémon-Hype bereits für die ersten spektakulären Anekdoten. So hätten vier Jugendliche im Bundesstaat Missouri an einem der sogenannten Poké-Stops, an denen man Monster-Fallen in Form eines rot-weißen Balls nachladen kann, Spielern aufgelauert und sie mit vorgehaltener Waffe ausgeraubt, berichtete die lokale Polizei bei Facebook. Und am Samstag fand eine 19-Jährige auf der Suche nach einem Pokémon eine Leiche in einem Fluss im US-Bundesstaat Wyoming, wie das Portal „County 10“ berichtete.

Plötzlich wurden Gamer in der Natur gesichtet - auch dort sind Pokemon versteckt.

Plötzlich wurden Gamer in der Natur gesichtet - auch dort sind Pokemon versteckt.

Foto: dpa

Gutes Geschäft dank Pikachu & Co.

Pokémon, gestartet vor 20 Jahren, hat sich für Nintendo zu einem Dauerbrenner mit einer weltweiten Gemeinde aus Millionen Fans entwickelt. Wie in den traditionellen Spielen kann man die Pokémon mit Namen wie Pikachu, Rattfratz oder Bisasam gegeneinander in Kämpfen antreten lassen. Allein in der App können aktuell 96 Pokémon eingesammelt werden, insgesamt gibt es Hunderte.

Für den Konzern Nintendo ist der Erfolg des Spiels auf dem Handy ein fulminanter Befreiungsschlag. Der Videospiele-Pionier ignorierte lange den Markt der Smartphone-Apps und verkaufte die Games mit seinen beliebten Figuren wie Super Mario, Donkey Kong oder eben die Pokémon nur für eigene Spielekonsolen, aus Angst, die Erlöse abzuwürgen. Denn bei Smartphone-Apps hat sich das Modell durchgesetzt, dass die Games sehr günstig oder kostenlos sind – und das Geld wird dann so gut es geht über den Verkauf virtueller Artikel verdient.

Das Spiel verbindet die beliebten Monster mit einer Art Schnitzeljagd.

Das Spiel verbindet die beliebten Monster mit einer Art Schnitzeljagd.

Foto: dpa

Während Nintendo sonst gewohnt ist, 30 bis 60 Euro pro Spiel einzunehmen, kostet auch „Pokémon Go“ für Android und iOS zunächst einmal nichts. Dafür muss man dann zum Beispiel für einen Sack mit 1200 Poké-Münzen – der Währung in der App – 9,99 Euro berappen.

Nützliche Utensilien wie zum Beispiel 100 Poké-Bälle zum Fangen der Monster kosten dann 460 Münzen. Wie ertragreich das sein wird – und wie lange die Pokémon-Euphorie bei den Smartphone-Nutzern anhält – muss sich noch zeigen.

 

 

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