Hetze bei YouTube und Co. : Ein bisschen Hass muss sein?

Harmlose Videoplattform oder Tummelplatz für Rassisten? Hassparolen in populären YouTube-Videos sind eher die Ausnahme als die Regel.
Harmlose Videoplattform oder Tummelplatz für Rassisten? Hassparolen in populären YouTube-Videos sind eher die Ausnahme als die Regel.

Nicht jeder YouTube-Star ist so harmlos, wie er scheint

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21. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Der Feind versteckt sich, aber Pewdiepie hat ihn im Visier. Er legt an und schießt. Der Gegner rennt weg, hechtet hinter ein Auto. Pewdiepie feuert noch mehrfach, trifft aber nicht. Frust kommt auf. „What a fucking...“, schimpft er in sein Mikrofon – gefolgt von einem englischen Schimpfwort für Schwarze, das weithin geächtet ist.

In der Online-Welt mancher Videospiele sind solche Ausdrücke trauriger Alltag. „Pewdiepie“, der eigentlich Felix Kjellberg heißt, ist aber nicht irgendein Videospieler – sondern ein Superstar. Auf YouTube hat er mehr als 57 Millionen Abonnenten, fast jedes seiner Videos und fast alle Live-Streams werden von Tausenden Fans gesehen. Und Kjellberg ist zwar der größte, aber längst nicht der einzige YouTube-Star, dem solche Entgleisungen unterlaufen – vor einem oft jungen Publikum.

Auch in Deutschland gibt es YouTuber, die unbekümmert-uninformiert über heikle Themen wie Abtreibung reden, Schimpfwörter wie „Zigeuner“ brüllen, frauenfeindliche Sprüche klopfen oder in Wehrmachtsuniformen auftreten.

Welche Wirkung hat das auf Minderjährige, die solche Videos sehen? „In der Marketing-Sprache rangieren viele YouTuber als ,Influencer’“, erklärt Kristin Langer von der Initiative „Schau hin! Was dein Kind mit Medien macht“. Wörtlich übersetzt ist ein Influencer ein „Beeinflusser“. Und das ist auch korrekt, sagt die Expertin. „Kinder und Jugendliche sind in dem Alter, in dem sie über diesen Kanal Videos konsumieren, oft sehr empfänglich für Beeinflussung.“

Die Frage ist nur: Wie groß ist das Problem eigentlich? Denn für jeden YouTuber, der rassistischen oder sexistischen Unfug verbreitet, gibt es vermutlich zehn völlig harmlose Videostars – und immer wieder genug Akteure, die sich mit deutlichen Worten gegen Hass und Hetze positionieren. „Auf YouTube sind grundsätzlich alle Meinungen zu finden, die Sie auch in der Gesellschaft finden“, sagt Medienpädagoge Björn Friedrich. Allerdings findet sich unter den vermeintlichen Hassvideos auch viel pubertäre Provokation, die nicht immer ganz ernst gemeint ist – ähnlich wie im Hip-Hop. „In Jugendkulturen hat oft alles, was nicht ,political correct’ ist, eine gewisse Coolness“, erklärt Miro Dittrich von der Amadeu-Antonio-Stiftung.

Nicht immer kommt das aber auch so an. „Gerade bei YouTubern, die ein großes Publikum haben, gibt es dann aber immer Zuschauer, die solche Ironie nicht verstehen“, sagt Dittrich. Gibt es Ärger um Videos, lautet die Entschuldigung trotzdem oft: „Das ist Satire.“ Eltern sollten ihre Kinder dazu befähigen, solche Äußerungen kritisch einzuordnen. Dafür ist es unumgänglich, dass sich Eltern selbst mit dem beschäftigen, was ihre Kinder auf YouTube anschauen – auch wenn es weh tut. Selbst harmlose Videos entsprechen in ihrer Machart oft nicht den Sehgewohnheiten älterer Generationen. Aber da müssen Eltern durch, sagt Friedrich.

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