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Gesundheitliche Schäden drohen : E-Books stören die innere Uhr

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Folge bei stundenlangem Lesen: Im Körper wird weniger Schlaf-Hormon freigesetzt

von
erstellt am 13.Jan.2015 | 20:44 Uhr

Vor dem Schlafen nur noch ein paar Seiten des neu heruntergeladenen Romans lesen – und weil es so spannend ist, werden aus den paar Seiten gleich mehrere Kapitel. E-Book-Reader liegen zwar gut in der Hand, doch das Lesen auf hell erleuchteten Geräten vor dem Schlafengehen kann den Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflussen. Das wollen Wissenschaftler der Harvard Medical School in Boston herausgefunden haben.

„Die Verwendung elektronischer Geräte zum Lesen, zur Kommunikation und zur Unterhaltung hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen“, schreiben die Forscher um Anne-Marie Chang. Sie ließen zwölf gesunde junge Frauen und Männer vor der Schlafenszeit E-Books und Bücher lesen. Alle Teilnehmer lasen an fünf Abenden hintereinander E-Books sowie – ebenfalls fünf Abende lang – gedruckte Bücher. Die Probanden lasen jeweils vier Stunden am Stück, bevor um 22 Uhr das Licht gelöscht wurde. Um sechs Uhr morgens wurden sie wieder geweckt.

Die Messungen medizinischer Werte zeigten, dass die Probanden nach dem E-Book-Lesen etwa zehn Minuten später einschliefen als nach dem Lesen des gedruckten Exemplars. Die Traumphasen (REM-Schlaf) waren nach dem E-Book-Lesen um fast zwölf Minuten verkürzt, und die Probanden fühlten sich morgens deutlich matter als diejenigen, die herkömmliche Bücher gelesen hatten.


Blaues Licht wirkt wie ein Alarmsignal


 

Die größte Auswirkung hatte das Lesen auf elektronischen Geräten auf das Schlafhormon Melatonin, berichten Wissenschaftler im Fachjournal „Proceedings“ der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS). Dessen Ausschüttung wurde um 55 Prozent vermindert. Am fünften Abend des E-Book-Lesens war die Melatoninkurve, die den Schlaf-Wach-Rhythmus anzeigt, um 1,5 Stunden gegenüber den Abenden mit gedruckter Lektüre nach hinten

verschoben. Zur festgelegten Schlafenszeit waren die E-Book-Leser deshalb viel wacher. Chang und Kollegen verweisen auf andere Studien, die gezeigt hätten, dass kurzwelliges – also blaues – Licht auf Menschen wie ein Alarmsignal wirke. Der Körper unterdrücke dann die Müdigkeit durch die verringerte Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin. Bei vielen elektronischen Geräten wie Fernsehern, Computern und E-Book-Readern sei der Anteil des blauen Lichts besonders hoch. „Unsere Ergebnisse belegen, dass das elektrische Licht, dem wir zwischen Sonnenuntergang und der Schlafenszeit ausgesetzt sind, tiefgreifende biologische Wirkungen hat“, schreiben die Forscher. Zu ihrer Analyse merken sie dabei aber an, dass sich die Bedingungen der beiden Lesearten im Experiment stark unterschieden: Während der E-Book-Reader auf maximale Helligkeit gestellt gewesen sei, habe das Buchlesen bei stark gedämpftem Licht stattgefunden.

Bei der Anschaffung eines E-Book-Readers sollte man darauf achten, dass sich möglichst viele Funktionen – wie eben die Beleuchtung des Displays – möglichst genau auf die eigenen Bedürfnisse anpassen lassen. Eine Displaybeleuchtung sei hingegen für alle verzichtbar, die auch bisher im Bett einfach die Nachttischlampe angeknipst hätten, berichtet die „Computerbild“ (Ausgabe 14/14). Zudem könne die Beleuchtung die sonst wochenlange Akkulaufzeit eines Readers um bis zu 80 Prozent verkürzen. Möchte man seinen Augen mal eine Pause gönnen, kann man sich für einen Reader mit Vorlesefunktion entscheiden.

 

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