WLAN im Flugzeug : Drahtloses Surfen über den Wolken

<p>Technische Geräte sind im Flugzeug nicht zwangsläufig verboten - doch für Wlan muss bezahlt werden.</p>

Technische Geräte sind im Flugzeug nicht zwangsläufig verboten - doch für Wlan muss bezahlt werden.

Wlan ist am Boden technisch einfach und häufig auch gratis – am Himmel wird es auch weiterhin Geld kosten

svz.de von
23. September 2015, 21:00 Uhr

Noch vor wenigen Jahren galten Verkehrsflugzeuge als internetfreie Zone. Wer fliegt, bleibt offline und stumm. Das stimmt längst nicht mehr - seitdem zunächst die US-amerikanischen und dann auch die europäischen Flugsicherheitsbehörden das Internet-Surfen über den Wolken freigegeben haben. Die digitale Welt drängt inzwischen mit Macht in die Kabine, Lufthansa will am Montag ein neues Digitalangebot für ihre Europastrecken vorstellen. Die Airlines wittern Zusatzeinnahmen.

Anders als in den USA sind Wlan-Angebote auf Kontinentalflügen in Europa noch eher die Ausnahme. Auch die Lufthansa hat zunächst nur ihre Langstreckenflieger mit einer Internet-Technik ausgestattet, die an Bord zunächst Wlan und später auch die auf Daten beschränkte Nutzung des Mobilfunkstandards GSM (2G) ermöglichte. Telefon- oder Skype-Gespräche sind in den Jets nach wie vor verboten. Aber nicht, weil es technisch nicht möglich wäre, sondern nur, weil sich laut Umfragen die meisten Passagiere gestört fühlen würden.

Die Zukunft ist Experten zufolge auch über den Wolken eindeutig digital. „Mittelfristig wird es in der Luft genauso normal sein wie am Boden, seine E-Mails zu checken, soziale Netzwerke zu nutzen oder Nachrichten zu lesen“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Digitalverbands Bitkom, Bernhard Rohleder. Davon kann heute noch keine Rede sein: Laut einer Umfrage des Verbandes vom August haben erst zwei Prozent der Internetnutzer einen Internetzugang in einem Flugzeug genutzt.

Das Interesse der Kundschaft scheint hingegen riesig zu sein: 44 Prozent der Internetnutzer gaben in der Bitkom-Umfrage an, sie wollten auf Flugreisen ins Netz gehen. Unter den 30- bis 49-Jährigen waren es schon 49 Prozent. Den Fluggesellschaften winken hohe Zusatzerlöse. Schon jetzt versuchen die Airlines für einstmals inbegriffene Dienstleistungen extra zu kassieren, für neue wird erst recht ein Entgelt gefordert.

Noch stehen die Preise für das angekündigte Angebot der Lufthansa auf den Europastrecken nicht fest, doch auf der Langstrecke lässt sich der Kranich sein schon 2003 gestartetes „Flynet“ gut bezahlen. Eine Stunde online kostet bereits 9 Euro, vier Stunden sind für 14 Euro zu haben und für 17 Euro gibt es den ganzen Flug lang die Netzversorgung via Satellit, Antenne und Router im Flugzeug. Es sei denn, die Verbindung berührt den chinesischen Luftraum, denn dort muss das Netz auf Weisung der Regierung abgeschaltet werden. Für Telekom-Kunden gelten besondere Preise.

Mit ihrem neuen Angebot auf Europaflügen macht die Lufthansa in Deutschland keineswegs den Anfang. Der seit Jahren angeschlagene Konkurrent Air Berlin baut sein Internet-Angebot bereits seit längerem schrittweise aus und hofft auf diesem Weg zusätzliche Fluggäste anzulocken. Auch die zweite deutsche Airline hält für die Internetnutzung die Hand auf - im Gegensatz zur Norwegian als bislang einziger Airline mit einem kompletten Gratisangebot. Lufthansa-Rivale Emirates bietet hingegen ein kleines, im Ticketpreis inbegriffenes Datenvolumen. Darüber hinaus wird ein eher symbolischer Preis von einem US-Dollar (88 Euro-Cent) pro 500 Megabyte erhoben.

Lufthansa kann dafür wohl schon bald mit besserer Technik punkten, wenngleich zum Start des Europaangebots zunächst noch auf die herkömmliche Satellitentechnik zurückgegriffen wird. Die Zukunft soll dann einem Technik-Mix gehören: Der Partner Deutsche Telekom arbeitet nach Angaben aus Expertenkreisen am ersten Luftfahrt-Digitalnetz im modernen LTE-Standard, der größere Datenmengen transportieren kann. Europaweit müssen dafür LTE-Sender aufgestellt werden, die ihre Signale vertikal in den Himmel schicken.

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