Ausbildung und digitale Medien : Digitalisierung Fehlanzeige

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt - doch die Berufsschulen im Land sind nur unzureichend darauf vorbereitet. Oft fehlt schon ein Wlan-Zugang.
Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt - doch die Berufsschulen im Land sind nur unzureichend darauf vorbereitet. Oft fehlt schon ein Wlan-Zugang.

Berufsschulen und Lehrbetriebe hinken bei Digitalisierung hinterher / Studie zeigt: An den Lehrlingen liegt es nicht

svz.de von
14. August 2016, 21:00 Uhr

Berufsschulen und Ausbildungsbetriebe in Deutschland drohen beim Umgang mit digitalen Medien den Anschluss zu verpassen - dabei ist das Interesse der Lehrlinge groß. Angesichts eines Rekordtiefs von nur noch rund 520 000 neuen Auszubildenden im Vorjahr und 41 000 nicht besetzten Lehrstellen stehen alle Beteiligten unter Druck, auf diesem Gebiet ihre Attraktivität zu erhöhen, heißt es im ersten „Monitor Digitale Bildung“ der Bertelsmann-Stiftung.

Stiftungsvorstand Jörg Dräger mahnte daher Kurskorrekturen an: „Digitales Lernen ist weit mehr als ein Imagefaktor. Berufsschulen und Betriebe brauchen Strategien fürs digitale Zeitalter. Nur so können sie das Potenzial neuer Technologien nutzen.“ Derzeit hapere es jedoch oft schon an einem ausreichenden Wlan an Berufsschulen - und auch an didaktischen Konzepten, ergab die repräsentative Studie.

Das Bundesbildungsministerium hat Anfang dieses Jahres ein Sonderprogramm im Umfang von maximal 74 Millionen Euro bis 2019 vorgelegt, das die Digitalisierung in der beruflichen Bildung vorantreiben soll. „Auszubildende müssen beispielsweise mit 3D-Druckern oder Drohnen umgehen können“, heißt es dort. Das Ziel: „modernste Rahmenbedingungen zu schaffen und dadurch eine zukunftsfähige Qualifizierung der Ausbildenden zu ermöglichen“. Die Digitalisierung verändere die Arbeitswelt, erklärte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) am Sonntag. „Wir reagieren auf diese Entwicklung und fördern die Digitalisierung schon in der beruflichen Ausbildung, indem wir Mittel für eine moderne Ausstattung in den überbetrieblichen Berufsbildungsstätten zur Verfügung stellen.“ „Zwar hat das Youtube-Video die DVD abgelöst, zwar werden Unterrichtsmaterialien auch im PDF-Format statt als Fotokopie zur Verfügung gestellt“, fasste die Stiftung die Ergebnisse ihrer neuen Studie zusammen. „Doch viele Rektoren der Berufsschulen und Ausbildungsleiter in Betrieben erkennen im Einsatz digitaler Lernhilfen weniger eine strategische Herausforderung als vielmehr einen Imagefaktor.“ Dabei stünden die Azubis in Deutschland „der digitalen Welt sehr viel offener gegenüber“, hieß es weiter. Sie wünschten sich von ihrer Berufsschule einen stärkeren Einsatz digitaler Medien.

So sagten 85 Prozent der befragten Auszubildenden, ihre Lehrer sollten „häufiger etwas Neues mit digitalen Medien ausprobieren“. Aber nur 33 Prozent der Berufsschullehrer - und dabei interessanterweise eher die erfahrenen als die jungen - sähen digitale Lerntechnologien als Option, zu besseren Lernergebnissen zu kommen. „So bleiben Chancen für benachteiligte Gruppen ungenutzt“, folgert die Gütersloher Studie. Denn: 34 Prozent der Azubis mit Hauptschulabschluss geben an, dass digitales Lernen sie motiviert. Unter den Lehrlingen mit Abitur ist der Wert nur halb so hoch.„Bislang verpassen Berufsschulen diese Gelegenheit für mehr Teilhabe und Chancengerechtigkeit.“

Werner Herpell

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