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Datenschutz : Digitale Selbstverteidigung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wie riesige Kraken sammeln Internetfirmen und Werbekonzerne Daten von Millionen Internetnutzern: So schützen Sie sich vor Datenklau.

Die meisten Dienste im Internet sind zwar umsonst, aber sind sie deswegen auch kostenlos? Nein, sagt der Journalist Steffan Heuer in seinem Buch „Mich kriegt ihr nicht! Die wichtigsten Schritte zur digitalen Selbstverteidigung“. Internetfirmen machen mit den Daten ihrer Nutzer ein Vermögen, sagt er – ohne ihre Kunden um Erlaubnis zu fragen. Es gibt allerdings einige Hilfsmittel gegen die Datensammlung im Netz.

Was ist so schlimm daran, wenn Internetfirmen meine Vorlieben, Freunde oder Aufenthaltsorte kennen? Internetfirmen wie Google und Facebook sammeln Informationen über ihre Nutzer und legen sie in Identitätsdatenbanken an, erklärt Heuer. Den Inhalt verkaufen sie an Drittanbieter, zum Beispiel Werbefirmen, Versicherungen oder Banken. Am häufigsten werden sie für personalisierte Werbung genutzt. Aber auch im Online-Shop, bei Versicherungspolicen oder Bankkrediten kann es passieren, dass nicht der Nutzer selbst, sondern seine Aktivitäten im Netz darüber bestimmen, welche Angebote er bekommt.

Wie funktioniert das?

Grundlage für die Verfolgung sind Tracking-Software und Cookies. Cookies sind kleine Textdateien, die beim Öffnen einer Seite platziert werden. Über sie können Anbieter mitverfolgen, welche Adressen der Surfer ansteuert und was er dort tut. Ist man gleichzeitig bei Google oder Facebook eingeloggt, können diese Informationen auch noch dem eigenen Profil zugeordnet werden. Zusammen mit dem, was man sonst im Netz von sich veröffentlicht, kann ein sehr detailliertes Bild eines Nutzers erstellt werden.

Wie kann man sich davor schützen?

Heuers Faustregel für das Verhalten im Netz lautet daher: verweigern, verschleiern und verschlüsseln.

Verweigern heißt, aktiv dafür zu sorgen, dass so wenige Informationen wie möglich in Umlauf kommen. Verschleiern bedeutet, Spuren zu verwischen, etwa indem man über bestimmte Browser-Plugins Werbefirmen an der Verfolgung hindert. Die Verschlüsselung von Online-Korrespondenz und Daten ist der dritte Punkt der Selbstverteidigungsstrategie.

Wie funktioniert das in der Praxis?

Verschiedene Browser benutzen: „Eines der schlimmsten Dinge, die ich tun kann, ist in einem Browser Facebook, Google und alle anderen Dinge laufen zu lassen“, sagt der Autor. Denn auch regelmäßiges Löschen von Cookies oder Surfen im Inkognito-Modus verhindern die Verfolgung durch Internetunternehmen nicht. Um Facebook und Google an der Überwachung des eigenen Surfverhaltens zu hindern, sollte man für die Dienste der Online-Riesen separate Browser verwenden.

Tracking-Blocker: Blocking-Werkzeuge verhindern zusätzlich, dass Online-Firmen und Werbenetzwerke die Bewegungen des Surfers mitverfolgen. Heuer empfiehlt dafür zum Beispiel DoNotTrackMe, Ghostery oder Collusion. Das Firefox-Addon BetterPrivacy entfernt auch schwer zu löschende Flash-Cookies.

Verschlüsselung: E-Mails sollte man laut Heuer per PGP verschlüsseln. Für Messaging-Apps auf PC und Smartphone sind OTR, Threema, Textsecure, Cryptocat oder Wickr eine Möglichkeit zur Verschlüsselung

Fake-Identitäten: Fake-Identitäten mit falschem Namen, Geburtsdatum oder Geschlecht erschweren es Hackern oder Algorithmen, Daten eindeutig einer Person zuzuordnen und zu missbrauchen. Heuer warnt davor, Klarnamen zu verwenden; vor allem für triviale Dienste wie Facebook, Fotodienste oder Spieleapps.

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