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Technische Innovationen : Digitale Produkte: Top oder Flop?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Was Verbraucher von Digital-Produkten wollen – und was nicht. Längst nicht jede Innovation kann am Markt bestehen.

Digitale Produkte und Lösungen sind mit großen Hoffnungen, aber auch Zweifeln und Sorgen verbunden. Weil es viele von ihnen so vorher noch gar nicht gab, ist Marktforschung für die Anbieter schwierig – denn dabei können sie sich nicht auf Alltagserfahrungen stützen, sondern nur auf das Vorstellungsvermögen potenzieller Kunden. Das Zeitalter der Digitalisierung dürfte deshalb auch manche Dinge hervorbringen, die schnell wieder in der Versenkung verschwinden werden – oder erst allmählich den Markt erobern.

Viel verspricht sich die Industrie etwa vom vernetzten und selbstfahrenden Auto, das im Schlepptau zahlreiche neue Geschäftsmodelle hervorbringen wird, wie der Präsident des Elektronik-Branchenverbandes ZVEI, Michael Ziesemer, erwartet. Weil die Fahrzeuge über ihre Sensoren zu Datensammlern werden, könnten sie künftig etwa den Rohstoff für bessere Verkehrsprognosen liefern oder sich selbst melden, wenn sie gewartet und repariert werden müssen.

Während solche Innovationen bei den Verbrauchern noch vergleichsweise gut ankommen, bereitet der Gedanke, dass Autos künftig selbst das Steuer übernehmen und eigenständig zum Zielort fahren, vielen noch eher Unbehagen. Das ergab auch der Trend-Index zur diesjährigen Messe Electronica in München.

Auch andere Innovationen aus der digitalen Welt finden dann die meiste Zustimmung, wenn sie das Leben erleichtern, nicht aber das eigene Denken überflüssig machen: Beim vernetzten Zuhause sind das beispielsweise Notrufsysteme, Service-Roboter oder intelligente Betten, die künftig dazu beitragen sollen, dass Menschen länger eigenständig in den eigenen vier Wänden leben können.

Wichtig ist dabei, wie die Anbieter mit dem Thema Datensicherheit umgehen. Gerade beim vernetzten Zuhause hatten sich zuletzt teils gravierende Sicherheitslücken offenbart – von dem Angriff auf Telekom-Router bis hin zu Babyphones, zu denen sich Fremde per Schadsoftware Zutritt verschafften. Weit mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland befürchten nach einer Umfrage des Branchenverbandes Gesellschaft für Unterhaltungselektronik, dass Fremde von außen irgendwann die Steuerung über ihren vernetzten Haushalt übernehmen könnten.

Hinzu kommen steigende Anforderungen an das technische Verständnis der Verbraucher. Neu zu sein, kann ein Produkt attraktiv machen – aber ein zu Viel an Neuheit könne die Kunden auch überfordern, sagt GfK-Experte Wucher. Größter digitaler Innovationserfolg der vergangenen Jahre seien zweifellos Smartphones inklusive der damit verbunden „Appconomy“ gewesen, sagt Wucher.

Inzwischen sind die Zeiten großen Wachstums aber vorbei – in diesem Jahr würden erstmals rückläufige Umsatz- und Verkaufszahlen im deutschen Smartphone-Markt erwartet.

Als neue digitale Produkt-Generation stünden nun vor allem „Wearables“ – also am Körper tragbare Technologien – sowie Produkte rund um das vernetzte Zuhause und Auto in den Startlöchern. So erwartet der Welt-Roboter-Verband IFR, dass von 2016 bis 2019 weltweit insgesamt rund 31 Millionen Roboter verkauft werden, die beim Rasenmähen, Staubsaugen, Fensterputzen und anderen Hausarbeiten helfen. „In unseren Studien messen wir großes Potenzial für diese neuen digitalen Produkte – aber die Frage nach ,Top oder Flop’ wird erst in Zukunft abschließend beantwortet werden können“, sagt Wucher.

Christine Schultze

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