Die Zwiegespaltenen

Die 30- bis 59-Jährigen fühlen einen starken Druck durch die Digitalisierung, nutzen sie aber fleißig.
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Die 30- bis 59-Jährigen fühlen einen starken Druck durch die Digitalisierung, nutzen sie aber fleißig.

Die „Generation Mitte“ lebt ganz zufrieden – doch ausgerechnet das Internet löst bei ihnen Unbehagen aus

svz.de von
04. November 2014, 20:37 Uhr

Sie kennen noch Tante-Emma-Läden, kaufen aber längst im Internet. Sie wollen, dass Kinder Bücher lesen – doch informieren sich selbst übers Smartphone. Zwiegespalten, das trifft das Lebensgefühl von rund 35 Millionen Menschen in Deutschland ziemlich gut. Zugleich erlebe die „Generation Mitte“ privat und beruflich eine unaufhörlich steigende Schlagzahl, sagt Renate Köcher, die Chefin des Meinungsforschungsinstituts Allensbach. Die 30- bis 59-Jährigen fühlen sich, das hat Köcher unter 1245 repräsentativ ausgewählten Männern und Frauen erfragt, gleichzeitig als Treiber und Getriebe einer immer schnelleren und digitaleren Welt.

Die „Generation Mitte“ ist dabei sehr wichtig: Die 35 Millionen Menschen im Alter von 30 bis 59 Jahren tragen den größten Anteil der Steuereinnahmen, sie finanzieren die sozialen Sicherungssysteme, erziehen Kinder und pflegen die Älteren. „Sie sind die Leistungsträger und stellen in unserer Gesellschaft die Weichen für die Zukunft“, erläutert der Präsident der Versicherungswirtschaft, Alexander Erdland. Er gab die Umfrage in Auftrag. Die „Generation Mitte“ macht sich demnach viele Sorgen – ist aber alles in allem ganz zufrieden mit dem Leben. Veränderungsdruck spürt sie vor allem durch Digitalisierung und die alternde Gesellschaft. Nur noch jeder Fünfte kann sich ein Leben ohne Internet vorstellen. 90 Prozent sind online, meist täglich. Zugleich aber gebe es ein ausgeprägtes Unbehagen. „Was mich irritiert: Diese Ängste haben keinerlei verhaltensprägende Wirkung“, sagt Köcher. Im Klartext: Die Leute fürchten Datenmissbrauch – geben die Informationen aber trotzdem etwa bei Facebook an.

Große Veränderungen sieht die „Generation Mitte“ in ihrem sozialen Leben. Alles werde komplizierter, kritisiert mehr als jeder Vierte, steigende Anonymität fast jeder Zweite. Mehr als jeder Dritte spürt auch bei der Arbeit große Unterschiede. Dass er ständig erreichbar ist, empfindet jeder Zweite als Nachteil. Fast ebenso viele glauben, dass ganze Berufsgruppen bald von Maschinen und Computern ersetzt werden – aber nur drei Prozent finden das gut.

Dass die Geschäfte in den Innenstädten langsam verschwinden, sehen fast 70 Prozent in der „Generation Mitte“ mit Sorge. Zugleich aber setzen sich zum Einkaufen immer mehr Leute an den Computer. Mehr als jeder Zweite bucht Reisen oder kauft Kleidung im Netz. Auch für Bücher, Filme oder Musik verlassen viele kaum das Haus. Nur beim Geld sind sie weiter traditionell: Versicherungen oder Geldanlagen haben bislang die wenigsten online abgeschlossen.

Fast jeder Zweite sieht die sozialen Sicherungssysteme angesichts des demografischen Wandels in Gefahr, jeder Dritte befürchtet Spannungen zwischen Alt und Jung. Doch dass das auch sie selbst stark betrifft, glauben nur wenige in dieser zwiegespaltenen Generation.


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