Sicherer Mail-Verkehr : Die „Volksverschlüsselung“ ist da

Den E-Mail-Verkehr sicherer machen mit der „Volksverschlüsselung“
Foto:
Den E-Mail-Verkehr sicherer machen mit der „Volksverschlüsselung“

Neues Verschlüsselungssystem ermöglicht mit wenigen Klicks den Ende-zu-Ende-verschlüsselten Versand von E-Mails

svz.de von
30. Juni 2016, 21:00 Uhr

Datenlecks, Cyberangriffe und Enthüllungen wie die von Edward Snowden treiben das Interesse an sicherer digitaler Kommunikation voran. Eine konsequente Mail-Verschlüsselung könnte Abhilfe schaffen, allerdings ist das vielen Laien zu kompliziert. Das soll sich nun ändern.

Die Verschlüsselung von E-Mails soll durch eine Initiative der Deutschen Telekom und des Fraunhofer-Instituts deutlich erleichtert werden. Unter dem Titel „Volksverschlüsselung“ stellten das Unternehmen und das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT am Mittwoch eine Lösung für private Anwender vor, mit der auch technische Laien Ihre Mails mithilfe einer kostenlosen Software in wenigen Schritten verschlüsseln können. Und so funktioniert es:

Was ist der Nutzen einer Verschlüsselung?

Unverschlüsselte E-Mails können mit verhältnismäßig wenig Aufwand mitgelesen werden. Die Verschlüsselung von Ende zu Ende sorgt dafür, dass nur der Absender und der beabsichtigte Empfänger eine Mail im Klartext lesen können. Briefe steckt man schließlich auch in einen Briefumschlag.

Was unterscheidet die Lösung von bisherigen?

Die „Volksverschlüsselung“ soll auch weniger erfahrene Computernutzer unterstützen. Ein Assistenzprogramm richtet die E-Mail-Programme Outlook von Microsoft und Mozillas Thunderbird automatisch ein und hilft beim Erstellen der Zertifikate und Schlüssel.

Wozu sind die Schlüssel und Zertifikate da?

Nachdem die Identität eines Nutzers überprüft ist, erstellt das Fraunhofer SiT ein digitales Zertifikat. Es verknüpft den Namen des Nutzers eindeutig mit seiner E-Mail-Adresse. So können Nutzer sicher sein, mit wem sie kommunizieren. Mithilfe der Schlüssel können Mails später verschlüsselt und vom Empfänger wieder entschlüsselt werden.

Wie kann ich daran teilnehmen?

Zunächst muss die kostenlose Software heruntergeladen werden. Aktuell läuft sie unter Windows (XP bis Windows 10), dort erlaubt sie die Einrichtung der Verschlüsselung in den E-Mail-Programmen Outlook von Microsoft und dem kostenlosen Mozilla Thunderbird. Nutzer müssen ihre Identität mit der elektronischen ID des Personalausweises und einem geeigneten Lesegerät mit der „Open eCard App“ oder einem Telekom-Account bestätigen. Nutzer können sich auch bei Messen und Veranstaltungen, auf denen zum Beispiel Fraunhofer SiT vertreten ist, vor Ort ausweisen. Dann erhalten sie eine Karte mit einem Registrierungscode und können die Verschlüsselung einrichten.

Werden auch andere Systeme unterstützt?

Bald. Laut Fraunhofer SiT sind Versionen für Mac OS X und Linux geplant. Auch Mobilgeräte mit Android und iOS sollen perspektivisch unterstüzt werden. Die „Volksverschlüsselung“ soll in einer späteren Version auch noch Funktionen des OpenPGP-Standards erhalten.

Renate Grimming, Till Simon Nagel

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen