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Rassismus im Netz : Die virtuelle Hetze

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Über soziale Netzwerke lassen sich Beschimpfungen leicht verbreiten. Topmodel-Kandidatin wurde Opfer von Rassismus im Netz

Ein Platz im Scheinwerferlicht kann auch zum Schauplatz fieser Beschimpfungen werden. Erfahren musste das „Germany’s next Topmodel“-Kandidatin Aminata. Die dunkelhäutige Schülerin wurde auf Facebook rassistisch beleidigt. So sehr, dass sich der Sender zu einem Statement aufgefordert sah – ebenfalls auf seiner Facebook-Seite. „Das können wir nicht dulden! Das wollen wir nicht dulden!“ schrieb ProSieben, dazu ein großes Stoppschild. Der Fall wirft ein Schlaglicht darauf, wie schwierig es für Medien und andere Unternehmen sein kann, sich in sozialen Netzen zu bewegen.

Wer eine professionelle Seite einrichtet, stellt in der Regel auch ein Team auf, das sie verwaltet – und auf Umgangsformen achtet. Diesen Moderatoren, die sich Community Manager nennen, stehen aber tausende potenzielle Kommentatoren gegenüber. Im Prinzip ist ihre Beteiligung gewollt, denn sie stärkt die Bindung an Leser, Zuschauer und Kunden.

Im besten Fall verbessert das ein Produkt. Im schlechtesten Fall zieht es anonyme Pöbler an. Es habe auch schon zuvor einzelne rassistische Anfeindungen gegeben, so ProSieben-Sprecher Christoph Körfer – diese seien gelöscht worden. Später hätten die Beschimpfungen ein neues Maß erreicht. Der Sender habe sich daher zu der Reaktion entschlossen.

Auch bei RTL II ist das Phänomen bekannt. Das TV-Format „Berlin - Tag und Nacht“ ist auf Facebook so erfolgreich wie kaum ein anderes. Fast 3,2 Millionen Fans verfolgen das Leben der Charaktere im Netz – meist völlig friedlich. Die Serie geriet allerdings auch in die Schlagzeilen, als der „Tagesspiegel“ über rassistische Äußerungen wie „Thainutte“ in den Kommentarspalten berichtete. Der Sender hat eine Null-Toleranz-Linie ausgegeben. „Sollten einzelne Posts verletzend oder diskriminierend sein, werden diese gelöscht. Sollten sich bestimmte Nutzer diskriminierend verhalten, werden sie entfernt“, so ein Sprecher. Zudem werde mit einer Liste von rund 1000 Begriffen versucht, Beschimpfungen automatisch herauszufiltern.

Rassistische Kommentare seien in sozialen Netzwerken keine Seltenheit, erklärt die Organisation „jugendschutz.net“. Häufig seien es emotional aufgeladene Themen – etwa Debatten um Asylunterkünfte. Das Löschen und Blockieren ist dabei nicht das einzige Mittel gegen digitale Hetze. „Der Schlüssel ist: Sie müssen als Moderator sichtbar sein und Leitplanken setzen. Sie müssen ansprechbar sein, sich wenn nötig einmischen. Es muss klar sein, dass die Diskussion in keinem luftleeren Raum stattfindet“, sagt Annika von Taube, Leiterin der Community-Redaktion bei „Zeit Online“.

Ihr Team besteht aus zwölf Mitarbeitern und kümmert sich nicht nur um Facebook. Wie auf anderen Seiten sind auch auf „Zeit Online“ fast alle Artikel kommentierbar. Einen Kommentar erst zu prüfen und dann freizuschalten, hält von Taube für keine gute Lösung. Das verhindere eine echte Debatte und erhöhe das Frustrationspotenzial.

„Etwas nachträglich freizuschalten ist eine alte Denkweise“, sagt auch Ben Ellermann, Vorsitzender des Bundesverbandes Community Management. Wer etwas loswerden wolle, finde im Netz immer einen Weg. „Passiert es auf Facebook oder einer meiner anderen Seiten, kann ich wenigstens darauf reagieren“, sagt Ellermann. Im besten Fall sorge die Community selbst für gute Umgangsformen. „Sie brauchen als Moderator Leute, die ihnen beipflichten, anders funktioniert es auch nicht.“ Dass es im Netz nicht nur Beleidigungen, sondern auch ein hohes Maß an Solidarität gibt, zeigt sich wiederum am Beispiel der „Germany's next Topmodel“-Kandidatin Aminata. Nach Angaben von ProSieben hat sich bislang kein Post des Senders in diesem Jahr so weit verbreitet wie jener mit der Aufforderung „Stopp! Wir zeigen Rassismus die rote Karte“.

 

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erstellt am 23.Apr.2014 | 08:32 Uhr

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