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Tonträger : Die Schallplatte kehrt zurück

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vinyl galt als Auslaufmodell, doch ausgerechnet in einer Zeit, in der immer mehr digitalisiert wird, findet die analoge Platte neue Freunde

Die Schallplatte wird beim Weihnachtsfest in diesem Jahr womöglich häufiger auf dem Gabentischen im Land zu finden sein.

Laut dem Bundesverband Musikindustrie ist die Schallplatte schon seit Jahren wieder auf dem Vormarsch. 2014 seien in Deutschland rund 1,8 Millionen Platten verkauft worden, so viele wie seit 1992 nicht. Der Umsatz habe bei 38 Millionen Euro gelegen. Seit Ende der 1970er Jahre seien die jährlichen Umsätze bis auf etwa 6 Millionen Euro im Jahr 2006 geschrumpft, hieß es. Doch seit 2007 gehe es wieder bergauf. Mit 3,1 Prozent sei der Marktanteil von Vinyl verglichen mit anderen Tonträgern wie etwa der CD (60,6 Prozent) zwar noch relativ bescheiden. Doch das Wachstum sei enorm. Allein in den ersten zehn Monaten dieses Jahres gingen nach Verbandsangaben rund 1,4 Millionen Platten über den Ladentisch – etwa 25 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres.

Deutschlands wohl größter Schallplattenhersteller, die optimal media GmbH in Röbel an der Müritz hat nach eigenen Angaben im vergangenen Geschäftsjahr rund 16 Millionen Platten gepresst und will die Kapazität bis zum Frühjahr auf 22 Millionen steigern. Die Rückkehr der Schallplatte lässt die Experten rätseln. „Was genau die Initialzündung für diesen Boom war - ausgerechnet in einer Zeit, in der alle Zeichen auf Digitalmusik stehen, von der CD über den Download bis zum Streaming - kann man nur vermuten“, sagt der Geschäftsführer des Bundesverbandes Musikindustrie, Florian Drücke. Vielleicht sei es die Sehnsucht nach Entschleunigung in einer Welt, die immer schneller und in immer mehr Lebensbereichen digitalisiert. „Der Klang von Schallplatten ist einzigartig weich - nicht zu vergleichen mit dem von MP3-Playern“, schwärmt Carsten Haupt von Celebrate Records. „Wenn man die Augen schließt, hat man das Gefühl, direkt vor dem Künstler zu sitzen.“ Ein geringes Rauschen und Knistern gehöre fast dazu.

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