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Polaroid-Ära erlebt Renaissance : Die Rückkehr des Sofortbildes

vom
Aus der Onlineredaktion

Herstellung von Sofortbildfilmen vor einigen Jahren eingestellt

Abdrücken, warten, fertig - im Polaroid-Zeitalter der Fotografie war ein Bild schnell auf Papier gebannt. Man hatte sein Foto nach einigen Minuten entwickelt und in der Hand. Ganz anders bei Digitalkameras: Zwar ist das Bild sofort im Display, in die Alben finden die meisten Digitalbilder dagegen nie.

Die Beständigkeit von Papierfotos ist wohl einer der Gründe, warum die analoge Fotografie momentan wieder sehr gefragt ist. „Es ist ein anderes Erlebnis, Fotos in der Hand zu halten“, sagt Constanze Clauß vom Photoindustrie-Verband. Die Tendenz zum Haptischen, die Retrowelle und eine gewisse Nostalgie – das alles lasse die Sofortbildfotografie wieder aufleben: „Heute werden mehr Sofortbildkameras verkauft als zu Zeiten der Analogfotografie.“ „Sofortbildfotografie ist eigentlich das Gegenstück von Digitalfotografie“, findet Thomas Preyer. Er bietet in Wien Workshops mit alten Polaroid-Kameras an. „Die Sofortbilder sind Unikate und nicht replizierbar“, sagt er. „Das alleine gibt ihnen schon einen großen Wert.“ Digitalfotos könne man immer wieder prüfen und neu schießen. „Bei der Sofortbildfotografie ist man gezwungen, vorher zu überlegen und selektiver an die Sache heranzugehen“, erklärt Preyer. „Die Fotos zeichnen sich durch sanfte und weiche Übergänge aus“, erläutert Dennis Improda von der Universität Hannover. „Die besondere Ästhetik liegt für mich in der Fehleranfälligkeit, im Nicht-Perfekten, den überraschenden Zufällen und Abweichungen“, sagt er. Denn bei der Entwicklung spielen viele Parameter eine Rolle: Die Qualität des Films, Temperatur, Lichtsituation. Die müssen Fotografen beachten. Wer sie geschickt nutzt, kann mit den Abweichungen spielen und Effekte kreieren.

Filme gibt es in verschiedenen Formaten in Schwarz-Weiß oder Farbe. Je nach Hersteller unterscheidet sich die Anmutung: Manche Farben haben eine typische Retro-Anmutung, andere Filme ermöglichen realitätsnähere Ergebnisse. Auch das Format spielt eine Rolle. „Mit der Entscheidung für eine Kamera ist meist auch die Entscheidung für das Filmformat gefällt“, erklärt Improda.

Gebrauchte Modelle gibt es schon für weniger als 50 Euro, neue Sofortbildkameras kosten teilweise mehrere hundert Euro. Teuer ist vor allem der Film: Ein einzelnes Bild kostet schnell mehrere Euro.

Die wichtigsten fotografischen Grundregeln gelten auch bei der Sofortbildfotografie. Gegenlicht sollte man vermeiden, komplizierte Belichtungssituationen mit unterschiedlichen Lichtquellen machen es der Kamera schwer. Ganz wichtig: Stillhalten. Verwackelte oder unscharfe Ergebnisse ärgern den Fotografen beim teuren Sofortbild unendlich viel mehr.

All das sorgt dafür, dass Fotografen sich für Sofortbilder mehr Zeit nehmen und bewusster entscheiden müssen, was vor die Linse soll. Bis ein Bild komplett entwickelt ist, kann schon einmal eine halbe Stunde vergehen. Dafür bleiben die Fotos dann auch erst einmal.

Bei Digitalbildern reicht zum unwiederbringlichen Löschen oft schon ein falscher Klick.

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