zur Navigation springen

Gebühren werden abgeschafft : Die Roaming-Revolution kommt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Preise purzeln schon jetzt – im Ausland.

svz.de von
erstellt am 26.Sep.2014 | 20:00 Uhr

Im Urlaub mit dem Handy zu telefonieren oder zu surfen galt lange Zeit als Weg in die Kostenfalle, doch ab 2015 sollen Schockrechnungen der Vergangenheit angehören. Die EU will, dass grenzübergreifendes Telefonieren und Datenroaming innerhalb ihrer 28 Mitgliedsstaaten von Zusatzkosten befreit wird. Dafür wurden ab 1. Juli 2014 für Telefonate, SMS und das Internetsurfen per Smartphone neue Preisobergrenzen eingeführt.

Im nächsten Schritt sollen die Roaminggebühren für die Endkunden laut Entscheidung des EU-Parlaments endgültig wegfallen. „Internet-Zugangs-anbieter sollen davon abgehalten werden, bestimmte Dienste aus wirtschaftlichen oder anderen Gründen zu blockieren oder zu verlangsamen“, so schreibt es das „Telekom-Paket“ der EU vor. Konkret bedeutet das: Wer viel in den Mitgliedsstaaten unterwegs ist, muss ab 15.12.2015 nicht mehr auf die Preise achten, sondern zahlt nur die Tarife, die er bei seinem Anbieter gebucht hat, kann also grenzübergreifend Gebrauch von seiner Flatrate machen.

Die Roamingangebote und Reise-Optionen der großen Anbieter in Deutschland sind unter diesen neuen Voraussetzungen schon jetzt größtenteils nicht mehr zeitgemäß. Erweiterungen der Tarife auf Kommunikation im Ausland kosten zum Teil noch mehrere Euro am Tag. Die Deutsche Telekom verlangt fünf Euro pro Monat – der Tarif muss aber für ein komplettes Jahr gebucht werden. Base bietet seinen reisenden Kunden für monatlich 2,99 Euro immerhin eine einigermaßen preisgerechte Option an.

Wer jedoch glaubt, dass das EU-Gesetz über andere Kanäle zu einer Gebührenerhöhung führen könnte, der irrt: Discountmarken wie simyo, blau.de oder aldi-talk haben ihre EU-Roaminggebühren bereits abgeschafft – ohne Erhöhung anderer Gebühren. Unter der Prämisse purzelnder Preise dringen ausländische Anbieter indirekt auf den deutschen Mobilfunkmarkt. In einem guten Jahr wird es schließlich völlig irrelevant sein, ob man im Besitz einer ausländischen oder einer inländischen Handynummer ist.

Einer der Vorreiter ist der dänische Provider „3“, der mit seinen Tarifen inzwischen 13 verschiedene Länder abdeckt. Für Preise ab 15 Euro monatlich bekommen Kunden mobiles Internet mit LTE-Advanced bei hohen Datenmengen von 1 bis 20 Gigabyte inklusive SMS- und Allnet-Flatrate in alle Netze der 13 Verbundstaaten angeboten. Zu den Ländern, in denen die Daten-Flatrate gilt, gehören neben Deutschland und Schweden auch Großbritannien und Hongkong. Vertragskunden müssen bei Abschluss allerdings in Besitz einer dänischen CPR-Nummer sein – somit sichern sich die Anbieter dann ihre nationale Kundschaft.

Dennoch wird der liberalisierte Markt den Kunden helfen, die Kosten- und Leistungsvorteile innerhalb Europas frei auszuloten. Nicht nur in Sachen Netzabdeckung und LTE, sondern auch in der Kostenstruktur sind andere Länder Deutschland weit voraus. Viele Jahre scheffelten die Netzbetreiber Erlöse in Milliardenhöhe. Und noch immer sind die Gebühren für nationale Handy-Telefonate im europäischen Vergleich überhöht. Die Provider reagieren inzwischen mit leicht vergünstigten Angeboten und erhöhten freien Datenmengen. Die Zeiten der „urdeutschen“ 200 MB Flatrate mit 100 Freiminuten zum Monatspreis von 34,99 Euro dürften nach Ablauf der Verträge der Vergangenheit angehören.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen