Trend : Die neuen Stars gibt es online

Mathe muss nicht langweilig sein: Johann Beurich aus Radebeul rappt auf YouTube beispielsweise über mathematische Formeln.  Fotos: Oliver Killig
Mathe muss nicht langweilig sein: Johann Beurich aus Radebeul rappt auf YouTube beispielsweise über mathematische Formeln. Fotos: Oliver Killig

Junge Videostars brauchen ein dickes Fell - im Netz wartenrechtliche Fallstricke und Beleidigungen

svz.de von
08. Juli 2014, 07:28 Uhr

Lieder über Liebe gab es schon so viele. Also hat sich DorFuchs für Mathe entschieden. Seit 2011 rappt er bei YouTube über die pq-Formel, den Satz des Pythagoras und Polynomdivision. Ein sehr spezielles Hobby, das viele Fans fand. „Ich habe mich selbstironisch als Streber dargestellt“, sagt Johann Beurich, wie der 20-Jährige aus Radebeul tatsächlich heißt. „Negative Stimmen gab es nie. Die Reaktionen waren von Anfang an gut.“

So gut läuft es nicht bei allen YouTubern. Die Kommentare unter den Videos können drastisch ausfallen. „Jugendliche müssen lernen, das auszuhalten“, sagt Elisa Behner, Medienpädagogin aus Düsseldorf. „Das hat mit Medienkompetenz zu tun.“ Behner rät, selbstbewusst zu bleiben: „Jugendliche machen solche Videos, um sich als Experten darzustellen.“ Nach Kritik sollten sie sich daran erinnern, dass sie etwas können. Johann kennt sich in Mathe aus. Das beweisen seine Texte. Und auch die Videoplattform kannte er schon gut.

Beleidigungen kann man ignorieren. Konstruktive Kritik sollte man ernst nehmen, sagt Ulrich Tausend, Soziologe und Referent am JFF Institut für Medienpädagogik in München. YouTube-Stars fordern oft den Austausch mit den Zuschauern und fragen gezielt nach deren Meinung. Tausend gibt zu: „Besonders bei YouTube muss man ein dickes Fell haben.“ Bei Portalen wie Vimeo sei die Community positiver. Allerdings sind dort eher künstlerische Videos gewünscht.

Bei Mädchen seien Schminkanleitungen und Tanzvideos der absolute Trend, hat Pädagogin Behner bei ihren Medienprojekten für die Organisation Pro-Mädchen beobachtet. Auch wenn die Themen unterschiedlich sind. Alle erfolgreichen Videos haben eins gemeinsam: einen bestimmten Stil, etwas Besonderes, das das Video von anderen unterscheidet, sagt Tausend. Doch der Soziologe warnt zugleich: „Wer mit Videodrehen anfängt, darf nicht das Ziel haben, ein Star zu werden oder Geld zu verdienen.“ Vielmehr müsse man für ein Thema brennen.

Denn damit die eigenen Videos auch nur annähernd so aussehen, wie die der Vorbilder, dauert es. „Allerdings haben fast alle Internet-Stars professionelle Medienagenturen hinter sich“, erklärt Tausend. Für den Anfang reicht einfache Technik, findet er. Die meisten Computer haben bereits eine Webcam und einfache Schnittsoftware. Gute Mikros seien mittlerweile günstig. Was man aber nicht unterschätzen darf, ist das Schneiden. Als Johann anfing, lieh er sich die Digitalkamera seiner Schwester aus. „Mein erstes Video war technisch nicht gut, aber der Inhalt stimmte. Wichtig ist, dass jedes Video eine Aussage hat“, erklärt er.

Die größte Gefahr bei Anfängern sei, dass die Videos zu lang sind. „Zwei oder drei Minuten reichen“, so Pädagogin Behner. Ein genaues Konzept muss man sich aber nicht machen, findet Tausend. „Ich probiere mich einfach aus, teste, ob man mich gut versteht und ob ich mir gefalle.“ Freunde können die ersten Zuschauer und Kritiker sein.

Gut ist es auch, die Eltern einzubeziehen. „Die haben einen anderen, vorsichtigeren Blick“, sagt Tausend. Man müsse sich bewusst sein: Was ich veröffentliche, können alle sehen. Auch Personalchefs in zehn Jahren. Wer das Risiko nicht eingehen möchte, kann die Videos anonym drehen. Oder die pädagogisch betreute Plattform juki.de vom Deutschen Kinderhilfswerk nutzen.

Am häufigsten werden Rechte bei Musik verletzt. „Ich darf nicht einfach andere Medien wie Musikstücke verwenden“, warnt Tausend. YouTube bietet in seinem eigenen Online-Schnittprogramm aber auch kostenfreie Musik an.

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