Reise-Apps : Die neue Reisewelt des Teilens

Die App „Travel Insight“ erleichtert die Hotelauswahl.
Die App „Travel Insight“ erleichtert die Hotelauswahl.

Bewertungen anderer beeinflussen die eigene Reise, passgenaue Informationen gibt es an Ort und Stelle per App

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10. März 2015, 23:11 Uhr

Ein neues Modewort der Reisewelt ist die Share Economy: Damit ist vor allem gemeint, dass Menschen zum Beispiel ihre Privatwohnungen über das Netz an Urlauber vermitteln. Soziale Medien und Sharing-Dienste verändern den Reiseprozess von der Informationssuche über die Durchführung bis zur Nachbereitung, sagt Prof. Torsten Kirstges von der Jade Hochschule Wilhelmshaven. Wie sieht das im Einzelnen aus?

Vor der Reise: In dieser Phase geht es vor allem um Inspiration, um die Entscheidungsfindung: In welches Land und welches Hotel soll es gehen? Hier setzen Buchungsportale und Reise-Communitys an - die weltweit größte ist Tripadvisor. Kürzlich knackte das Portal die Marke von 200 Millionen Berichten und Meinungen. Nutzer können Hotels und Sehenswürdigkeiten bewerten und sich durch die Bewertungen anderer eine Meinung bilden. „Wir schätzen die Meinung anderer als sehr wertvoll ein, wenn wir entscheiden, wofür wir unser hart erarbeitetes Geld ausgeben wollen“, sagt Tripadvisor-Geschäftsführer Stephen Kaufer.

Die mitgeteilte Meinung wirkt nicht nur als Auswahlhilfe, sie hilft sogar den Hoteliers. Expedia zum Beispiel hat auf seiner Webseite eine Art Echtzeit-Feedback eingeführt. „Die Hotelbetreiber haben gesagt, wenn wir nur von dem Problem gewusst hätten, als der Gast noch bei uns im Hotel war, hätten wir es beheben können“, erklärt Cyril Ranque, Marketing-Stratege von Expedia.

Wenn die Buchung abgeschlossen ist, geht es darum, den Reisenden weiter mit Informationen zu füttern. Dann sei die Vorfreude am größten, erklärt Marco Ryan, Chief Digital Officer bei Thomas Cook.

Passgenaue Infos teilt der Veranstalter über die App Travel Guide mit dem Urlauber, etwa Empfehlungen für Restaurants und Angebote vor Ort.

Während der Reise: Informationen und Meinungen etwa zu Sehenswürdigkeiten besorgen sich immer mehr Urlauber direkt vor Ort. Hier setzt zum Beispiel die App Getyourguide an, die den Urlauber unterwegs über Angebote im nahen Umfeld informiert. Dass darauf auch die Reiseveranstalter reagieren müssen, sagt auch der Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV),  Norbert Fiebig: „In Zukunft geht es darum, den Urlauber mit passgenauen Angeboten während der Reise zu erreichen.“ Die Veranstalter machen sich auch zunehmend den Mitteilungsdrang ihrer Kunden zunutze. Bei Tui sollen Hotelgäste in Zukunft vermehrt Bilder, Kommentare und Urlaubstipps mit einem bestimmten Hashtag auf sogenannten Social Walls teilen können. Und in der Travel-Guide-App von Thomas Cook kann auch der einfache Urlauber seine „Points of interest“, seine Lieblingsorte teilen.

Doch die neue Dynamik des Teilens auf Reisen zeigt sich vor allem im Bereich der Übernachtungen: Wer über Share Economy spricht, kommt an Airbnb, Wimdu oder 9flats nicht vorbei, Portale zum Vermieten von Privatwohnungen. Privatunterkünfte bieten Kirstges zufolge oft mehr Authentizität als viele Hotels - und das wird Reisenden immer wichtiger. Viele Menschen vermieten - man könnte auch sagen: teilen ihre eigene Wohnung gegen Geld , wenn sie unterwegs sind. Das führt in vielen Städten zu großen Auseinandersetzungen mit der Hotellerie.

Nach der Reise: Hier schließt sich der Kreis. Der Erfahrungsbericht über die Reise wird zur Inspiration für die nächste. Auch hier wollen die Veranstalter mitspielen: „Nach der Reise wird es darum gehen, sich mit Gleichgesinnten weiter auszutauschen“, sagt Norbert Fiebig. Bleibt die Frage, wo die Urlauber dies tun, ob auf Facebook, Instagram, Tripadvisor oder in der Community eines Veranstalters.

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