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Debattenkultur online : Die Macht der Worte

vom
Aus der Onlineredaktion

Im Internet wird nicht nur mit Freunden, sondern oft auch mit Fremden diskutiert: Tipps zur Debattenkultur

Ob in Blogs, sozialen Netzwerken oder auf Nachrichtenseiten: Das Netz ist eine gigantische Plattform für Debatten. Wer Aufmerksamkeit will, geht längst nicht mehr zum Stammtisch in die Dorfkneipe, sondern online. Trotzdem gibt es Parallelen: Wer offline kommunikationsstark ist, ist es meist auch im Internet.

Von Angesicht zu Angesicht besteht Kommunikation nicht nur aus den Worten, sondern etwa auch aus Mimik, Gestik und Tonfall. All das fällt im Netz weg – die Gefahr, falsch verstanden zu werden, steigt enorm. Gerade deshalb ist es wichtig, bei Diskussionen im Netz authentisch zu sein. „Wir sollten unsere Masken abnehmen“, sagt Martina Dressel, Coach aus Freital bei Dresden. Nutzer schlüpfen möglichst nicht in eine fremde Rolle. Sonst sei es schwierig, Vertrauen zum Gegenüber aufzubauen. Sie rät deshalb, Ironie oder Sarkasmus in unbekannten Umgebungen zu vermeiden.

Auch die größere Öffentlichkeit im Internet müssen Nutzer bei ihren Aussagen beachten. Solange man sich nicht in privaten Chats oder Gesprächen befindet, kann jeder mitlesen, urteilen und sich einmischen. „Durch das Netz ist der Stammtisch größer geworden“, sagt Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Und was einmal im Netz ist, ist eben nur schwer wieder rückgängig zu machen.

Die Grundregeln für Gespräche im Netz sind dieselben wie offline: Nutzer sollten dem Gegenüber auf Augenhöhe begegnen, den Inhalt von der Person trennen und sich respektvoll verhalten. Auch vorschnelle Bewertungen sind gefährlich. „Vermutungen und Gerüchte sollte man vermeiden“, rät Dressel.

Wie bekomme ich im Netz aber nun Aufmerksamkeit für mein Anliegen? Die wichtigste Regel: Die Aussagen müssen kurz und auf den Punkt formuliert sein. Denn das Internet ist ein schnelles Medium. Laut Dressel entscheidet der Nutzer in weniger als fünf Sekunden, ob er weiterliest. Das Gegenüber muss deshalb sofort erkennen, dass das Thema für ihn wichtig ist. Dazu gehört es auch, schnell ein paar spannende Fakten zu liefern oder Neugier zu wecken. Gleichzeitig darf der Leser am Ende nicht enttäuscht werden. Dressel empfiehlt außerdem direkte Ansprache: „Sie oder Ihr funktioniert immer besser als ich oder wir.“ Im Konfliktmanagement sei es jedoch genau umgekehrt.

Eine große Rolle spielt auch die Zielgruppe. Wen will ich überhaupt erreichen? Denn die größte Aufmerksamkeit gibt es nicht immer bei Facebook und Co. Manchmal eignen sich lokale Foren oder private Chats deutlich besser. Auch wie die Kommunikation sprachlich genau aussieht, hängt immer vom Forum und der Zielgruppe ab. „Wenn mein Chef mitliest, schreibe ich anders als unter Freunden“, erklärt Dressel. Das gilt auch für die Anrede: Wo man sich kennt, ist das Du in Ordnung. Gegenüber Unbekannten ist Siezen die bessere Wahl. Grundsätzlich sollten Nutzer sich so ausdrücken, wie sie es in der gleichen Umgebung auch offline tun würden.

Läuft ein Gespräch im Netz trotzdem einmal aus dem Ruder, rät Dressel zu Gelassenheit. Hass oder Beleidigungen sollte man in erster Linie ignorieren, um den Leuten nicht noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Trotzdem muss man bei Hassrede nicht zwingend wegschauen. „Wichtig ist, mit aktiver Gegenrede zu reagieren und diese Kommentare zu melden“, sagt der Kölner Rechtsanwalt Christian Solmecke. Erst bei schweren Drohungen empfiehlt es sich, die jeweilige Plattform oder die Polizei zu informieren. Auch Verbraucherschützer Buttler rät, unsachliche und hitzige Diskussionen zu meiden. Respektlose Bemerkungen zu kontern oder aus der Emotion heraus zu schreiben, sei fast immer der falsche Weg. Grundsätzlich lohne es sich laut Dressler, an der eigenen Kommunikation zu arbeiten, indem man Freunde nach ehrlichem Feedback fragt.

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