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Abzocke oder ein gutes Angebot? : Die Katze im Sack kaufen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Viele Computer- und Videospiele werden schon verkauft, bevor sie im Laden stehen

„Jetzt vorbestellen!“ - Auf der Gamescom in Köln wird diese Aufforderung auf unzähligen Plakaten und am Ende vieler Spiele-Trailer stehen. Teilweise sollen die Kunden schon Monate vor Erscheinen eines Titels Geldbeutel oder Kreditkarte zücken. Als Belohnung gibt es Extras.

Welch Ausmaße das annehmen kann, zeigt zum Beispiel das Ende Mai erschienene Hacker-Actionspiel „Watch Dogs“: Hier bot Hersteller Ubisoft so viele Vorbesteller-Boni und Sonderausgaben an, dass selbst Fans sie nur mit Hilfe einer Tabelle auseinanderhalten konnten. Das Ergebnis gibt es noch im englischsprachigen Wikipedia-Artikel zum Spiel zu bewundern. Das ist kein Einzelfall. Ob Activision mit „Call of Duty“ oder Electronic Arts mit „Dragon Age“: Kaum ein Hersteller kündigt heute noch einen Blockbuster an, ohne gleichzeitig auf Vorbestell-Möglichkeiten hinzuweisen. „Vorbestellungen sind ein guter Indikator, ob ein Spiel wirklich erfolgreich wird“, erklärt Jörg Müller-Lietzkow, Professor für Medienorganisation und -systeme an der Universität Paderborn. Die Palette an Zusatzinhalten, die es für eine Vorbestellung gibt, reicht von kosmetischen Änderungen wie Kostümen für die Spielfigur über neue Waffen bis zu zusätzlichen Missionen. Entscheidend für den Spielspaß ist das alles nicht. „Das Versprechen, etwas exklusiv zu bekommen, zieht“, sagt Müller-Lietzkow. Ähnlich sieht das auch Heiko Klinge, Chefredakteur der Spielezeitschrift „Gamepro“: „Gelegenheitsspielern kann das egal sein“, sagt er. Viele Spiele seien auch ohne Zusatzinhalte so umfangreich, dass man jede Menge Gameplay bekomme. Etwas anders ist der Fall bei eingefleischten Fans, die sich monatelang damit beschäftigen wollen, so der Experte.

Noch komplizierter wird es, wenn man sich für Limited oder Special Editions interessiert. Die kosten mehr als das reguläre Spiel, dafür gibt es neben digitalen Boni aber auch physikalische Beigaben. Das können zum Beispiel ein T-Shirt oder der Soundtrack auf CD sein. Für Fans kann sich die Anschaffung solcher Pakete lohnen, sagt Klinge - jedoch nicht immer. „Da gibt es große Qualitätsunterschiede“, warnt der Redakteur. Manche Sonderausgaben werden in so begrenzter Stückzahl produziert, dass sie sich Jahre später teuer an Sammler weiterverkaufen lassen - allerdings nur ungeöffnet. Ob limitiert oder nicht: Ein Problem der Vorbestellung ist, dass der Kunde die sprichwörtliche Katze im Sack kauft. Das gilt auch für das Spiel an sich. Testberichte werden meistens erst am Erscheinungstag oder kurz vorher veröffentlicht. Erweist sich ein Spiel als Flop, kommt der Kunde möglicherweise nicht mehr aus seiner Vorbestellung raus - zumindest im stationären Handel. „Es kann sein, dass mit der Vorbestellung ein Vertrag zustande kommt“, sagt Christian Gollner von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Beim Onlinekauf gilt dagegen das Widerrufsrecht. Im Laden muss der Kunde meistens eine Anzahlung leisten. Ob man das Geld wiederbekommt, ist unterschiedlich, sagt Gollner. Einerseits könne es passieren, dass der Verbraucher mit der Vorbestellung schon zur Abnahme der Ware verpflichtet ist - andererseits kann der Händler dem Kunden auch ein Rücktrittsrecht von der Vorbestellung einräumen, inklusive Erstattung der Anzahlung. Verpflichtet ist er dazu aber nicht. Vorbestellungen können aber neben Boni auch echte Vorteile haben: „Ich habe damit die Garantie, dass ich das Spiel am Erscheinungstag bekomme, auch wenn es ausverkauft ist“, sagt Gollner.

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