zur Navigation springen
Digital

19. November 2017 | 00:41 Uhr

Smart-TV : Der Spion im Wohnzimmer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Auf Smart-TVs läuft mehr als nur das Fernsehprogramm / Verbraucherschützer warnen davor, dass Zuschauer so ausspioniert werden

von
erstellt am 20.Jan.2015 | 21:24 Uhr

Wer sich für einen neuen Fernseher interessiert, kommt am Modewort Smart-TV nicht mehr vorbei. Solche Fernseher gehen entweder per WLAN oder Netzwerkkabel ins Internet und können dort zum Beispiel Mediatheken, Spiele, soziale Netzwerke und andere Apps abrufen. Eine Seltenheit sind sie nicht mehr: Nach Angaben des IT-Verbandes Bitkom generieren die schlauen Geräte inzwischen drei Viertel des Umsatzes in der TV-Branche.

Der Zugriff des TV-Geräts aufs weltweite Netz ist allerdings auch mit Gefahren verbunden. Anfang 2014 fand die Zeitschrift „c't“ zum Beispiel heraus, dass viele Fernsehhersteller TV-Sender informieren, wenn der Benutzer den Kanal wechselt. LG ging durchsuchte anfangs sogar USB-Festplatten am Fernseher.

„Zuschauer können bei der neuen Fernsehtechnologie nicht mehr erkennen, ob sie bereits im Internet unterwegs sind“, sagt Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Durch die Verbindung mit dem heimischen Netzwerk ist das Smart-TV-Gerät immer online und verschickt fleißig Informationen über seine Nutzer.“ Viele internetfähige Fernseher sind dem Experten zufolge ab Werk so eingestellt, dass das TV-Gerät bereits beim ersten Anschalten zum Sender wird und Daten des Zuschauers an den Gerätehersteller, die Sendeanstalten und weitere Dienste wie Google Analytics weiterleitet.

Auf diese Weise lasse sich künftig nicht nur das Fernseh- und Internetverhalten der Nutzer ausforschen, so Schuldzicki. Es könnten auch umfangreiche Profile über Tagesabläufe, Nutzungsgewohnheiten und persönliche Interessen entstehen.

Was der Fernseher genau über ihn weiß und was mit den Daten passiert, erfahre der Nutzer dabei nicht - von einer Einwilligung ganz zu schweigen. Für Schuldzinski ein untragbarer Zustand: „Verbraucher müssen selbst entscheiden können, was sie von sich preisgeben“, kritisiert er.

Jürgen Sewczyk, Mitglied des Vorstands der Deutschen TV-Plattform, hält dagegen: Für die Nutzung bestimmter Dienste und die Optimierung der Angebote sei es notwendig, Daten zu erfassen - allerdings anonymisiert. „Es handelt sich dabei stets nur um gerätebezogene, nicht um personenbezogene Daten“, so Sewczyk.

Wenn der Zuschauer über den Fernseher eine App startet oder den Videotext-Nachfolger HbbTV aufruft, würden wie beim Gebrauch eines klassischen Computers Daten generiert. Blinde Sammelei finde dabei aber nicht statt: „Im Gegenteil: Sender und Portalanbieter sind sich der Sensibilität des Themas bewusst und informieren den Nutzer entsprechend“. So würden Verbraucher bei der Erstinstallation des Geräts um ihre ausdrückliche Einwilligung zur Erfassung von Nutzungsdaten gebeten. Und wer es genauer wissen will, findet in der Informationsleiste der HbbTV-Plattformen einen Link zu den Datenschutzbestimmungen der Anbieter.

Misstrauische Nutzer können den Smart-TV aber so einstellen, dass keine Daten gesammelt werden können. Am simpelsten ist es, dem Fernseher lediglich Zugriff auf Filme, Musik und Bilder aus dem heimischen Netzwerk zu erlauben, ihn nach außen hin aber komplett abzuschotten.

Mit ein wenig Fachwissen ist es jedoch auch möglich, am Router nur bestimmte Aktivitäten zu blockieren und Ausnahmen einzurichten. Ausgewählte Apps funktionieren dann immer noch - aber die Spionage wird unterbunden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen