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Amazon Echo und Co : Der Lautsprecher hört aufs Wort

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Neuer Trend mischt Branche auf Für Elektronik-Hersteller bedeutet dies eine ganz neue Konkurrenzlage

Erst haben vernetzte Lautsprecher, die Musik aus dem Internet abspielen können, die Hifi-Branche umgekrempelt. Jetzt stehen die Herausforderer selbst vor einer Bedrohung für ihr Geschäft. Denn der Trend geht zu Lautsprechern, die nicht nur Musik abspielen, sondern auch zuhören und Sprachbefehle erkennen. Damit sollen sie im Haushalt zu einer Schnittstelle für die Kommunikation mit Computern und Haustechnik werden – ganz natürlich per Sprache.

Amazon machte mit seinem Lautsprecher „Echo“ vor, wie das funktionieren kann. Das Gerät liefert auf Anfrage nicht nur Informationen aus dem Internet wie Wettervorhersage oder Kochrezepte, sondern kann auch Artikel nachbestellen. Nahezu endlos werden die Möglichkeiten aber durch die Schnittstellen, über die Amazon Anbietern anderer Dienste den Zugang zu seiner sprechenden Assistentin öffnete. Damit kann man nicht nur vernetzte Hausgeräte steuern, sondern bekommt auch Zugriff auf alle möglichen Dienstleistungen und kann sich zum Beispiel eine Pizza bestellen. In Deutschland sind die Geräte bisher jedoch noch nicht verfügbar.

Auch Google springt auf das Amazon-Prinzip mit dem eigenen Lautsprecher „Home“ auf, der zum Herbst auf den Markt kommen soll. Dahinter steckt ein neuer Assistent auf Basis künstlicher Intelligenz.

Apple macht seine Sprachassistentin Siri schlauer und lässt sie ebenfalls mit anderen Diensten verknüpfen. Siri ist nicht nur im iPhone, sondern auch in der Fernsehbox Apple TV drin und zuletzt gab es das Gerücht, ein vernetzter Lautsprecher solle ebenfalls folgen.

Unter den Herstellern vernetzter Lautsprecher herrscht jetzt Unruhe. Beim Pionier Sonos kündigte Gründer John MacFarlane verstärkte Investitionen in Sprachsteuerung an. „Wir sind Fans davon, was Amazon mit der Echo-Produktlinie gemacht hat“, erklärte er. Der Echo werde den Zugang zu Musik, Wetterprognosen und „vielen, vielen anderen Dingen“ beeinflussen. Dabei hat Sonos bereits erste Infrastruktur für die neue Welt in seinen Geräten: Das neueste Modell enthält zwei bisher abgestellte Mikrofone, die ursprünglich für künftige Dienste zur Klangverbesserung eingebaut wurden. Sie könnten aber auch für ähnliche Funktionen wie beim Echo genutzt werden - aber das Unternehmen betont, dass es nichts machen würde, ohne die Nutzer zu informieren.

Der Datenschutz könnte grundsätzlich zur Schlüsselfrage werden: Immerhin muss der Verbraucher dem Anbieter soweit vertrauen, dass er sich dazu bereiterklärt, die Mikrofone ständig laufen zu lassen.

Der jüngere dänische Sonos-Konkurrent Libratone brachte kürzlich zunächst einmal mit „One“ und „Too“ zwei neue Modelle heraus, die als ganz klassische Bluetooth-Lautsprecher funktionieren. Aber auch sie haben Mikrofone für die Freisprech-Funktion mit angeschlossenen Smartphones. „Wir beobachten die Entwicklung genau und sind gespannt, wohin sie führen wird“, sagt Produktchef Uffe Kjems Hansen.

Man sei in einer veränderten Situation, wenn ein Konzern wie Amazon ins Lautsprecher-Geschäft nicht wegen der Musikwiedergabe einsteige, sondern letztlich, um seinen Kunden den Einkauf zu erleichtern. „Wir werden definitiv auf irgendeine Weise folgen müssen. Wenn die Spracherkennung funktioniert, ist es die ultimative Art, mit Technik zu kommunizieren.“ Er glaube, dass die Elektronik-Anbieter eher Partnerschaften mit den großen Playern wie Amazon, Apple und Google eingehen werden, statt eigene Systeme zu entwickeln.

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erstellt am 04.Jul.2016 | 21:00 Uhr

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